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Kaiserliche Altäre

    Durch jährliche Opfer für stete Harmonie zwischen Mensch und Kosmos zu sorgen gehörte zu den rituellen Aufgaben des Kaisers. Zu diesem Zweck wurden in und um Peking im 15./16. Jahrhundert sechs Altäre angelegt: der Erdaltar im Norden, der Himmelsaltar im Süden östlich der Mitte, der Ackerbaualtar ebenfalls im Süden, doch westlich der Mitte, der Sonnenaltar im Osten und der Mondaltar im Westen. Diese fünf Altäre lagen im Freien außerhalb der Stadt. Hinzu kam der Erntealtar südlich des Palastes. Am Mond- und Sonnenaltar ist nicht mehr viel zu sehen, und vom Ackerbaualtar sind nur noch Teile zugänglich (Architekturmuseum). Die anderen drei Altäre sind nach wie vor als Opferstätten erkennbar.
  • Himmelsaltar Tiantan
    Rundtempel auf dem Gelände des Tiantan
    Rundtempel auf dem Gelände des Tiantan
    © wiewie / pixelio.de
    Der bedeutendste aller kaiserlichen Altäre - meist wenig korrekt Himmelstempel genannt - zeigt klassische chinesische Baukunst in höchster Vollendung. Er war wie die anderen kaiserlichen Altäre bis 1913 nur den Mitwirkenden der Zeremonien zugänglich.
    Die Hauptgebäude auf ihren weißen Marmorterrassen stehen inmitten eines weitläufigen, bewaldeten Geländes entlang einer Nord-Süd-Achse. Im Süden beginnt die Folge mit der kreisförmigen, dreistufigen Altarterrasse. Der Kreis symbolisiert das Himmelsrund, die Dreizahl das yang und damit ebenfalls den Himmel. Entsprechend ist auch der zentrale Stein der obersten Plattform von drei mal drei Steinplatten umgeben, und so geht es weiter über den neunten Kreis, der von neun mal neun, also 81 Platten gebildet wird, bis zum äußersten Kreis der untersten Ebene mit seinen 3 mal 3 mal 3 mal 3 mal 3 = 243 Platten.
    Kaiserthron im Himmelsaltar
    Kaiserthron im Himmelsaltar
    © Martin Zimmermann
    Auf der Terrasse brachte der Kaiser, selbst "Himmelssohn", dem Himmel ein Tieropfer dar in Stellvertretung für das ganze Reich. Dies geschah nachts zur Wintersonnenwende, zu dem Zeitpunkt also, da das "größte Yang", die Sonne, am schwächsten ist und gewissermaßen der Förderung durch ein Opfer am ehesten bedarf. Der Ritus schloss außer dem Himmel selbst auch die Sterne, das Wetter und die Amtsvorgänger ein. Die zugehörigen "Geistertafeln" sind im nördlich anschließenden Kaiserlichen Himmelsgewölbe und seinen zwei Nebenhallen zu sehen. Dieser runde Bau mit blauem Dach steht inmitten der sogenannten Echomauer. Ein gegen die Mauer gesprochenes Wort ist auf der gegenüberliegenden Seite deutlich zu hören. Die drei Echosteine in der Mitte bieten eine weitere akustische Spielerei: Wer auf dem südlichen Stein in die Hände klatscht, hört ein einfaches, auf dem mittleren Stein ein doppeltes und auf dem nördlichen ein dreifaches Echo. Beim üblichen Besuchergedränge gehen diese akustischen Phänomene allerdings unter.
    Halle des Erntegebets (Qiniandian)
    Halle des Erntegebets (Qiniandian)
    © Martin Zimmermann
    Ein dammartig erhöhter Marmorweg verbindet den südlichen Komplex mit der Halle des Erntegebets (Qiniandian) im Norden. Auf dreifach gestufter kreisrunder Terrasse erbaut, stellt sie mit ihrem dreifachen blauen Kegeldach einen Höhepunkt chinesischer Baukunst dar. Die Halle verkörpert den Kreislauf der Zeit: Das Dach ruht auf 28 Säulen. Die vier innersten stehen für die vier Jahreszeiten. Der innere Kranz aus zwölf Säulen symbolisiert die zwölf Monate, der äußere die zwölf Doppelstunden des Tages. Der Kaiser bat hier den Himmel zum Frühlingsbeginn (Anfang Februar) um eine gute Ernte und zum Sommerbeginn (Anfang Mai) um Regen. Eine Ausstellung in den Nebenhallen veranschaulicht die Zeremonien. Auf dem Vorplatz stehen Präsentationsgefäße für die Opfergaben.
    Feuerstelle vor einem der Hauptgebäude
    Feuerstelle vor einem der Hauptgebäude
    © Oliver Brunner / pixelio.de
    Zu den Nebengebäuden gehören eine Opfertierschlachterei sowie eine Fastenhalle, die der Kaiser einen Tag vor dem Opferritus bezog, um sich fastend auf die Begegnung mit den himmlischen Mächten vorzubereiten. Diese mit einem Graben umgebene Anlage, ein großer, ungewöhnlicher Komplex aus zwei ineinanderliegenden Höfen, ist südlich der von Westen kommenden alten Hauptzufahrt des Tempels noch zu sehen und ebenfalls zu besichtigen. Die vollkommene Harmonie und erhabene Ruhe der Altaranlage ist heute leider kaum noch zu spüren. Hochhäuser ragen ins Blickfeld, und zusätzliche Tore und Zufahrtswege aus allen Himmelsrichtungen samt Busparkplätzen rauben dem heiligen Bezirk seine Ruhe und Geschlossenheit. Kommen Sie möglichst frühmorgens, ehe es voll wird. Täglich von 8.30 bis 17.30 Uhr geöffnet, der Eintritt kostet 35 Yuan.
    PLZ/Stadt:
    Peking
    Karte
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  • Erdaltar Ditan
    Das Pendant zum Himmelsaltar: Er liegt nicht südlich, sondern nördlich der Stadt, ist nicht nach Süden, sondern nach Norden ausgerichtet, die Terrasse ist nicht rund, sondern quadratisch (entsprechend der Vorstellung von einer quadratischen Erdscheibe), die Glasuren sind lehmig gelb statt himmlisch blau, und die Zahl der Stufen wie auch der Steinplatten an den Seiten ist gerade (yin wie die Erde) und nicht ungerade (yang). Hier brachte der Kaiser zur Sommersonnenwende, wenn das yin am schwächsten ist, ein großes Speise- und Trankopfer dar. Gehen Sie vom Südeingang aus um den Altar herum, und durchschreiten Sie die Anlage von Norden her. In der Halle auf der Südseite stehen die "Geistertafeln" der Berge und Gewässer, denen das Opfer ebenfalls galt.
    Das weitläufige Parkgelände ist mit knorrigen Lebensbaumzypressen bestanden. Im Morgengrauen kommen die Anwohner zur Frühgymnastik. Kombinieren Sie den Besuch mit dem Lamatempel, dem Konfuziustempel und der Kaiserlichen Akademie, die alle in fußläufiger Entfernung liegen. Täglich von 8 bis 16.30 Uhr geöffnet, im Sommer bis 18 Uhr.
    Straße:
    Ditan-Park
    PLZ/Stadt:
    Peking
    U-Bahn
    U-Bahn 2: Yonghe Gong
    Karte
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  • Erntealtar Shejitan
    An dem 1421 gegründeten Erntealtar Shejitan opferte der Kaiser zweimal jährlich. Die quadratische Terrasse ist mit Erde in den Farben der fünf Weltgegenden bzw. Himmelsrichtungen belegt und symbolisiert so das ganze Reich, für dessen Wohl der Kaiser verantwortlich war: blauer Osten, roter Süden, weißer Westen, schwarzer Norden und gelbe Mitte. In den nördlichen Hallen wurde das umfangreiche Zeremonialgerät verwahrt.
    Straße:
    Im Sun-Yatsen-Park (Zhongshan Gongyuan), Eingang westlich vom Tian'an Men
    PLZ/Stadt:
    Peking
    U-Bahn
    U-Bahn 1: Tian'anmenxi
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