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David Cerny

Pinkelnde Männer und tote Pferde - der tschechische "Skandalkünstler" provoziert und amüsiert

Cernys
Cernys "Horse" in der Lucerna Passage
© Henrik G. Vogel / pixelio.de
Wer Prag besucht, wird mit ziemlicher Sicherheit einer Skulptur von David Cerný begegnen. Seine zum Teil provokativen Werke sind überall in der Stadt zu finden und sorgen immer wieder für Gesprächsstoff. Der international bekannte und umstrittene Künstler verpackt immer wieder politische und sozialkritische Aussagen in seinen Werken, oft mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor.

Ein Panzer in Pink

Cerny wurde 1991 berühmt (und berüchtigt), weil er in einer Nacht-und-Nebel-Aktion ein Kriegsdenkmal in Prag pink anmalte. Dieses nationale Monument, ein Sowjetischer Panzer auf einem fünf Meter hohen Podest, sollte eigentlich an die Befreiung Prags durch die Rote Armee 1945 erinnern, war aber für viele Tschechen (und Cerny) eher ein Sinnbild für die Sowjetische Besatzung seit 1968. Cerny wurde wegen dieser Aktion kurz verhaftet und der Panzer sofort wieder grün gestrichen. Nur 10 Tage später strichen einige Parlamentsabgeordnete den Panzer wieder Pink, sehr zur Freude von David Cerny. Heute steht der Panzer im Armee Museum in Lesany.
Im Folgenden sind einige seiner Werke in Prag näher beschrieben.
 
Die beiden pinkelnden Männer
Die beiden pinkelnden Männer
© M-I-W/pixelio.de

"piss", 2004, Hergetova cihelna

Diese Bronzeskulptur hat schon für viele Diskussionen gesorgt und wurde wahrscheinlich nur nicht verboten, weil sie eine Privatinvestition war. Zwei nackte Männer pinkeln in einem Teich, der die Form der tschechischen Republik hat.
Die Figuren sind beweglich und "schreiben" mit dem Wasserstrahl Zitate berühmter Prager Persönlichkeiten in das Becken. Wenn man eine SMS an die Telefonnummer auf der Skultpur schickt, pinkeln die Statuen den Text der Nachricht ins Wasser.
 
Das Original auf dem Wenzelsplatz
Das Original auf dem Wenzelsplatz
©Czech Tourism

"horse", 1999, Lucerna Passage

Der Reiter auf einem überkopf aufgehängten toten Pferd ist eine Parodie auf das Monument des Heiligen Wenzel auf dem Wenzelsplatz. Kleidung und Pose sind dem Original sehr ähnlich, Cernys Reiter sitzt aber auf dem Bauch des Pferdes, das mit heraushängender Zunge von der Decke hängt. Scheinbar hat er noch nicht gemerkt dass er sprichwörtlich "ein totes Pferd reitet".
Die Skulptur war eigentlich für das Tschechische Hauptpostamt geplant, schien dann aber doch zu provokativ für diesen Ort zu sein und hängt heute passenderweise über den Köpfen der Besucher der Lucernapassage, direkt neben dem Wenzelsplatz.
Babys am Fernsehturm
©Martin Zimmermann

"Babys", 2001, Installation am Prager Fernsehturm

Einzelne Baby-Skulpturen von David Cerny wurden schon auf der ganzen Welt ausgestellt, unter anderem in New York und Chicago. Seit 2001 krabbeln mehrere seiner Babys mit übergroßen Köpfen und ohne Gesichter am Prager Fernsehturm auf und ab.
Das Projekt wurde von der Öffentlichkeit sehr positiv aufgenommen, der zuvor als "kommunistisches Relikt" eher unbeliebte Turm erfuhr durch Cernys Installation eine starke Aufwertung. Die Skulpturen werden zunächst bis 2013 permanent am Turm befestigt bleiben.
Cerny macht dem Trabi Beine
Cerny macht dem Trabi Beine
© www.deutsche-botschaft.cz

"Quo vadis", 1990, Deutsche Botschaft in Prag

Cernys "laufender Trabi" wurde 1991 über Nacht am Altstädter Ring aufgestellt, am Tag der Vereinheitlichung der Deutschen Währung. Der echte, bronzefarbene Trabi auf vier menschlichen Beinen erinnert an die Ereignisse rund um die Deutsche Wiedervereinigung.
Das Original befindet sich heute in der Sammlung des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig, ein Abguß steht im Garten der Deutschen Botschaft in Prag, Vlaska 19. Wer rechts am Palais vorbeigeht, kann den Trabi durch einen Zaun sehen.
Die Skulptur hängt hoch über der Straße
Die Skulptur hängt hoch über der Straße
© Heinz Albers/ www.heinzalbers.org

"Hanging Out", 1996, Villa Richter in Stadtteil Mala Strana

Über einer Gasse in Prags Malá Strana hängt am Dach der Villa Richter ein Mann an einer Stange. Die lebensgroße Skulptur erinnert an eine Fahne und wird wegen der enormen Höhe leicht übersehen.
Wer ihn allerdings zufällig entdeckt, reagiert oft im ersten Moment erschrocken, weil er die Skulptur kurz für einen echten Menschen hält.
Der Mann hängt an einem Arm, hat die andere Hand lässig in der Hosentasche und blickt nach unten auf die Passanten. Seine entspannte Haltung widerspricht der "Gefahr", in der er sich in dieser Höhe zu befinden scheint.
Die Skulptur hängt auch in Berlin, Stockholm und London.
Weitere Infos zum Bildhauer David Cerny:
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