Es klingt kurios wie vieles in Prag: Die Stadt an der Moldau hat mit ihrem Namen im Grunde wenig zu tun. Praha heißt auf deutsch Schwelle und bezeichnete jene Stelle, an der der Fluss am leichtesten zu überqueren war - die Furt also, und nicht die wenigen Siedlungen, die damals an den Ufern der Moldau standen. Doch als diese zur Stadt wuchsen, ging der Name auf den wichtigen Handelsplatz über.
Schon Mozart war von der Vielfalt Prags beeindruckt. "Ich fahre jeden Tag den gleichen Weg nach Hause und sehe doch immer wieder etwas Neues", sagte er 1791. Diese Erkenntnis ist noch heute gültig: Besucher und Einheimische staunen gleichermaßen über den Glanz renovierter Fassaden, wo zuvor monatelang Gerüste standen; sie suchen ihre Lieblingsbäckerei vom vergangenen Jahr vergeblich, weil dort jetzt eine Buchhandlung ist; aus der Kneipe um die Ecke ist scheinbar über Nacht ein Restaurant geworden. Diese Beispiele ließen sich lange fortsetzen, denn auch nach der demokratischen Wende ist Prag keine ruhige Stadt geworden - im Gegenteil, der Wechsel ist Normalität.
In Prag wird immer noch viel improvisiert, und das gilt nicht nur für die Architektur. Viele Pragerinnen überbieten im Alltag manches locker an Chic, was man in Mailand oder Paris trifft. Natürlich gibt es auch hier jene kessen Kleidchen mit den teuren Namen, aber viele machen ihre „alta moda“ selbst, verändern die Vorlagen nach Geschmack und interpretieren gegen das Schema. Vor der "Samtenen Revolution" von 1989 zeichnete das die Hauptstadt schon einmal aus, und einiges davon ließ sich in die heutige Zeit retten.