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Ausflüge

Ein Ausflug In die Tropfsteinhöhlen von KonEprusy

Die Schönheit Böhmens ist viel besungen. Kaum jemand ahnt aber, dass der Landstrich auch einige Stockwerke unter Hain und Flur Sehenswertes bietet. Etwa 35 km südwestlich von Prag lassen die Tropfsteinhöhlen von Koneprusy die Augen groß werden und die Hände über Jahrtausende alten Kalk wandern, als Zugabe lädt die Umgebung der nahen Burg Karlstejn (etwa 15 km von Koneprusy entfernt) zum Spazierengehen ein - ein Tagesausflug für alle Sinne. Weste oder warmen Pullover nicht vergessen, unter Tage ist es kühl.
Koneprusy erreicht man über die Europastraße E 50 Richtung Plzen (Pilsen). Gleich hinter Beroun sind die Tropfsteinhöhlen (Konepruske jeskyne) ausgeschildert. Sie wurden erst in den 1950er-Jahren bei Sprengarbeiten in den örtlichen Kalksteinbrüchen entdeckt und gelten als noch nicht völlig erforscht. Der Anblick auf dem etwa 3 km langen Lehrpfad ist überwältigend: In den dreigeschossigen Höhlen öffnen sich gewaltige Schluchten, ungezählte Stalagmiten und Stalaktiten ragen schillernd aus den Wänden. Manche Tropfsteinformationen sind wie von Künstlerhand geformt, an anderen Stellen türmen sie sich mit wilden Auswüchsen hoch auf. Durch Beklopfen kann man feststellen, welcher Zapfen noch "aktiv" ist: Klingt der Tropfstein hohl nach, ist sein Wachsen abgeschlossen. An der tiefsten Stelle der Höhle befindet sich ein kleiner See.
Der Clou für viele Besucher der Tropfsteinhöhlen ist aber die Rekonstruktion einer Fälscherwerkstatt, die um 1470 von den Hussiten betrieben wurde. Hier unten prägten die regimekritischen Anhänger des 1415 hingerichteten Predigers Jan Hus "Goldmünzen" aus versilbertem Kupferblech, um die Währung der Regierenden auszuhöhlen. Bei der Entdeckung der Höhlen wurden nahe der damaligen Esse mehrere Hundert Fehlprägungen gefunden.
In den meisten Fällen werden Besuchergruppen durch die Gänge geführt. Deutschen Gästen wurden dabei in den vergangenen Jahren eigene Touren in ihrer Muttersprache angeboten. Auch Führungen in englischer Sprache waren - zumindest in der Hochsaison - kein Problem. In der Nebensaison ist die Wanderung an manchen Tagen auch individuell möglich; im Winter sind die Höhlen geschlossen.
 
Burg Karlstejn
Burg Karlstejn
© Czech Tourism

Bursa

Wenn die Augen sich wieder ans Tageslicht gewöhnt haben, lädt das benachbarte Karlstejn mit einer der schönsten Burgen Mitteleuropas ein. Wer einen Spaziergang nicht scheut und Parkgebühren sparen will, sollte sein Fahrzeug im Ort abstellen und die 2 km bergauf zu Fuß zurücklegen. Karlstejn wurde in der damaligen Rekordzeit von neun Jahren (1348-57) von Karl IV. erbaut. Es diente als prunkvoller Schrein für die böhmischen Krönungsinsignien, die heute in der Schatzkammer des Prager Veitsdoms aufbewahrt werden. Die Burg ist beileibe kein toter Stein: Im Innenhof wird beispielsweise oft die sehenswerte Komödie "Eine Nacht auf Karlstejn" aufgeführt. Und auf die Heiligkreuzkapelle sind die Tschechen so stolz, dass sie im Jahr 2000 eine aufwändige Nachbildung auf der Weltausstellung Expo in Hannover präsentierten.

Wandern, Klettern und Baden in der wilden Scharka

Ein Ausflug in die Natur ist von Prag aus ohne großen Aufwand möglich. Nach einer halben Stunde Fahrt per Straßenbahn oder Auto gelangen Sie in die westliche Peripherie der Metropole: zur Divoka Sarka, der Wilden Scharka. Voraussetzung für diesen Ausflug ist Lust auf Spazierengehen, Wandern, Klettern und - wer mag - Baden.
Divoka Sarka
Das schmale Tal, dessen Name sich vermutlich von dem Ausdruck šery, der so viel wie düster bedeutet, herleitet, ist von der Metrostation Hradcanska (A) aus mit den beiden Straßenbahnlinien 20 und 26 (Endhaltestelle) zu erreichen. Wenn Sie ein Auto zur Verfügung haben, fahren Sie auf der Evropska-Straße in Richtung Flughafen und können ihr Fahrzeug auf einem großen Parkplatz abstellen, wo auch das gelbe M einer Hamburgerkette leuchtet.
Steil ansteigende Schiefer- und Sandsteinfelsen wachsen gleich zu Beginn aus dem Naturreservat und bieten dem Auge in ihren schroffen Formen einen spannungsvollen, gleichzeitig erholsamen Kontrast zur Geradlinigkeit städtischer Architektur. Über eine Vielzahl von Stufen gelangt man auf dem rot markierten Weg in das Sarka-Tal und zwischen die Felsen. Dort schlängelt sich parallel zum Wanderweg der Sarka-Bach, dessen Lauf man (sofern Lust und Schuhprofil reichen) für die nächsten 8 km folgen kann - so lang ist die offizielle Wanderroute von der Straßenbahnhaltestelle "Divoka Sarka" bis zum Kirchlein sv. Matej (mit sehenswerter Weihnachtskrippe).
Wer dem Weg folgt, durchwandert einen hoch aufgeschossenen Mischwald und passiert zu beiden Seiten ragende Kletterfelsen. Mitte der 1960er-Jahre war die bis Ende des 19. Jhs. unberührte Enklave am Stadtrand aufgrund archäologischer Funde zum Schutzgebiet erklärt worden, in dem das Verlassen der markierten Wege mit einer Geldbuße belegt werden kann. Aber ein Weichen von erlaubten Pfaden ist unnötig: Gibt es doch immer wieder ideale Picknickwiesen, und wer sich lieber auf einer Bank niederlässt, findet in der Nachbarschaft des Schwimmbads Dzban einen einladenden Biergarten.
Von dort führt der Pfad weiter zur romantischen Teufelsmühle (Certuv Mlyn) und der Siedlung Zelivka. Kurz dahinter teilt sich der Weg, und der Wanderer kann sich für eine Abkürzung zurück zur Straßenbahn (rechts) oder den regulären Weg bis zur Haltestelle mehrerer Buslinien, die zur Metrostation Dejvicka (A) fahren, entscheiden. Ganz entzieht man sich aber auch in der Sarka der zivilisierten Welt nicht. Ab und zu rollt ein schwaches Grollen durch die Schlucht und bricht sich am Fels - der Flughafen Ruzyne verbirgt sich hinter der nächsten Hügelkette und ist, je nach Windrichtung, schwach wie eine Erinnerung zu hören.
St. Barbara Kirche in Kutna Hora
St. Barbara Kirche in Kutna Hora
© Czech Tourism

Besuch von Kutna Hora, einer Perle böhmischer Gotik

Der "Euro des Mittelalters" kam aus Böhmen - genauer gesagt: aus Kutná Hora (Kuttenberg). In der malerischen Stadt, deren historischer Kern Bestandteil des Unesco-Weltkulturerbes ist, wurde bis 1547 der beinahe europaweit akzeptierte "Prager Groschen" geprägt. Etwa 250 Jahre lang war Kutná Hora nach Prag die wichtigste Stadt Böhmens, und in ihrer Blütezeit lebten dort so viele Menschen wie in London. Heute versucht die Stadt mit Einnahmen aus dem Tourismus und den Finanzimpulsen der örtlichen Tabakindustrie an die goldene Ära des böhmischen Königreichs anzuknüpfen. Die 25 000-Ew.-Stadt liegt etwa 65 km östlich von Prag und ist mit dem Auto über die Schnellstraße 12, mit mehreren Bussen ab Bahnhof Florenc (Metro B, C) oder mit vielen Zügen vom Hauptbahnhof aus leicht zu erreichen. Im Zentrum gibt es zahlreiche Parkmöglichkeiten und Wechselstuben.
Kutná Hora wurde im 13. Jahrhundert in der Nähe von Silberminen gegründet und gilt noch heute als eine der schönsten Städte Böhmens. Ihren Höhepunkt erreichte sie im 15. Jahrhundert, als sie zum Aufenthaltsort der böhmischen Könige aufsstieg. Der hier von Experten aus der Toskana geprägte Prager Groschen wurde wegen seines Silbergehalts als Zahlungsmittel in fast ganz Europa anerkannt. Im 16. Jahrhundert verloren die Minen auf Grund von Billigimporten aus Südamerika an Bedeutung - die Stadt schrumpfte in wenigen Jahren auf ein Drittel ihrer Größe.
Hradek in Kutna Hora
Hradek in Kutna Hora
© Czech Tourism
Beginnen Sie Ihren Rundgang am Palackeho namestí (Palacky-Platz) mit gotischen und barocken Patrizierhäusern, darunter an der Südwestseite die Ruine des alten Rathauses. Von dort schlendern Sie durch die Kollárova-Straße. An der Nepomuk-Barockkirche vorbei gelangen Sie am Rejskovo namesti (Rejsek-Platz) zum zwölfeckigen, spätgotischen Sandsteinbrunnen und dem benachbarten Marmorhaus mit seinem Renaissanceportal. Am monumentalen Jesuitenkolleg entlang erreichen Sie den prächtigen gotischen Barbara-Dom mit seinen kostbaren Bildern (Dienstag bis Sonntag von 9 bis 15 Uhr geöffnet). Das dominierende Gebäude der Stadt wurde 1388 vom Architekten des Kölner Doms und der Prager Karlsbrücke, Peter Parler, begonnen und erst 1565 vollendet. Das nach der Schutzheiligen der Bergleute benannte Gotteshaus gilt als eine der atemberaubendsten Kirchen Mitteleuropas und übertrifft nach Ansicht mancher Kulturexperten sogar den Prager Veitsdom.
Auf dem Weg zurück durch die Barborska-Straße können Sie im Hradek (Kastell) das zum Teil unterirdische Museum der Silbererzförderung (Dienstag bis Sonntag von 9 bis 17 Uhr geöffnet) besuchen. Kurz vor Erreichen Ihres Ausgangspunkts, des Palackeho namesti, gelangen Sie zum nach dem Barbaradom bedeutendsten Gebäude von Kutna Hora, dem leider kaputtrenovierten Vlaasky dvur (Welscher Hof, Führungen täglich von 10 bis 18 Uhr). Hier wurde seinerzeit der Prager Groschen geprägt. Makaberer Höhepunkt ist die Friedhofskirche mit einem Beinhaus, in dem 40 000 Tote ruhen.
Die ehemalige Festung von oben
Die ehemalige Festung von oben
© Czech Tourism

KZ-Gedenkstätte in Terezín (Theresienstadt)

Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Festung Theresienstadt, 50 km nördlich von Prag, von Kaiser Franz Josef II. als Gefängnis für politische Gegner der Habsburger Monarchie genutzt. Als im März 1939 die deutschen Nationalsozialisten einmarschierten, legte die Prager Gestapo in der so genannten Kleinen Festung ein Polizeigefängnis an, in dem sie Antifaschisten internierte - meist Kommunisten. In der Hauptfestung, der eigentlichen Stadt, entstand im Juni 1940 ein Ghetto für Juden, das zugleich Konzentrationslager war. Die ursprünglichen Einwohner wurden ausgesiedelt. Per Zug ist der Ort über das benachbarte Litomerice (Leitmeritz) zu erreichen, vom Prager Bahnhof Florenc (Metro B, C) fahren mehrere Busse täglich hin. Die Fahrt dauert etwa 45 Minuten.
Theresienstadt wurde zu einer Stadt hinter Gittern und erfüllte für die Nazis bei der "Endlösung der Judenfrage", dem Holocaust, drei Aufgaben: Zum einen war Terezin, so der tschechische Name, ein Transitlager auf dem Weg in die Vernichtungslager Auschwitz und Treblinka. Zum anderen diente es zur Dezimierung der Häftlinge - fast ein Fünftel der Inhaftierten starb an Hunger und Epidemien. Das Perfide: Gleichzeitig nutzten die Nationalsozialisten Theresienstadt für ihre Propaganda. Sie stellten es als idyllisches "Altersghetto" für prominente und wohlhabende Juden aus ganz Europa dar. Auch eine Delegation des Roten Kreuzes ließ sich 1944 täuschen, als sie für sechs Stunden das Konzentrationslager besuchte und den mit vorgehaltenen Waffen gedrehten Propagandafilm "Der Führer baut den Juden eine Stadt" vorgesetzt bekam.
Jüdische Gedenkstätte in Terezín
Jüdische Gedenkstätte in Terezín
© Czech Tourism
Bis zur Befreiung am 20. April 1945 wurden etwa 140 000 Männer, Frauen und Kinder aus dem besetzten Europa nach Theresienstadt deportiert und mussten hier in qualvoller Enge Zwangsarbeit leisten, bis sie per Viehwaggon in Todeslager transportiert wurden. Terezin liegt heute unmittelbar an der Europastraße E 55, die von Prag nach Dresden führt.
Wer Terezín besucht, erwartet etwas Schreckliches. Aber vor dem Areal stehen meist Touristenbusse, Snackbars sowie Zigaretten- und Getränkekioske. Führungen gehen durch die ehemalige Bahnhofstraße und die Bäckerstraße (die Nazis simulierten mit den Namen deutsche Kleinstadtbiederkeit) in die Hauptfestung, vorbei an unscheinbaren Sackgassen: Es sind die Bahngleise, von denen einst die Todestransporte abfuhren.
Außer den grausamen Exponaten des Stadtmuseums und den leer stehenden Kasernen erinnert heute wenig an die Vergangenheit - Terezin will eine Stadt wie andere auch sein; in den Wohnhäusern leben tschechische Familien, nachdem hier lange die Rote Armee stationiert war. Aber wird Terezín je eine "normale Stadt in Böhmen" sein?
 
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