Die rötliche Fassade der Basilika ist wenig einladend, aber im Innern entschädigen die spätbarocke Doppeltreppe und der romanische Chorraum für den Besuch. Der um 1150 nach einem Brand erneuerte Bau gilt als schönste romanische Kirche der Hauptstadt. Sie wurde 925 als Grabkirche der Großmutter des hl. Wenzel, der hl. Ludmila, geweiht. Ihre letzte Ruhestätte befindet sich in der Kapelle südlich des Chors. Vor der Krypta liegen die Gräber der Premyslidenherrscher Vratislav (gestorben 921) und Boleslav II. (gestorben 999). Das Renaissance-Säulenportal aus dem 16. Jahrhundert stammt von dem deutschen Baumeister Benedikt Ried. Auf der Empore der Basilika sind Reste der um 1200 entstandenen Deckenmalerei "Himmlisches Jerusalem" zu sehen.
Das benachbarte Benediktinerkloster wurde 973 gegründet. Es beherbergt heute die Dauerausstellung "Alte Kunst Böhmens".
Italienische Besucher staunen meist über das zwischen 1626 und 1631 entstandene Areal - steht dasselbe Heiligtum nicht in der Nähe der Stadt Ancona? Richtig: Der Prager Komplex ist eine Nachbildung. Ursprünglich soll die "Casa Santa" aber die Wohnung der Jungfrau Maria in Nazareth gewesen sein. Legenden zufolge trugen Engel das Haus aus Palästina in die Lorbeerplantage Loreto bei Ancona. Kein Wunder, dass die Fürstin Lobkowicz als (Nach-)Baumeister zwei Italiener wählte: Giovanni Orsi und Andrea Allio. Eindrucksvoll ist vor allem der zweistöckige Kreuzgang der Casa - die zweite Etage (1740) stammt von Kilian Ignaz Dientzenhofer. Er hatte 20 Jahre zuvor bereits die Front mit dem Glockenturm gebaut. Von dort erklingt zu jeder vollen Stunde das der Jungfrau Maria gewidmete Lied "Sei tausendmal gegrüßt".
Im Innern der Casa ist besonders die aus Lindenholz geschnitzte Madonna sehenswert - und die kuriose Statue der Heiligen Kümmernis: Die Legende erzählt, dass der Himmel einer portugiesischen Prinzessin einst einen buschigen Bart sprießen ließ, damit Männer keinen Gefallen an ihr finden sollten. Weitaus anziehender ist jedenfalls die mit 6222 Diamanten besetzte, 90 cm hohe und 12 kg schwere Monstranz, die 1698/99 in Wien hergestellt wurde. Dienstag bis Sonntag von 9 bis 12.15 Uhr und von 13 bis 16.30 Uhr geöffnet, der Eintritt beträgt 90 kc.
Karl IV. ließ auch Gotteshäuser errichten. Eines davon ist die Kirche Maria Schnee, mit deren Bau 1347 begonnen wurde. Nach dem Willen des Kaisers sollte sie als Krönungskirche dienen, dementsprechend ehrgeizig angelegt war der ursprüngliche Plan - sollte sie doch den Veitsdom an Größe übertreffen. Die Arbeiten wurden wegen der Hussitenkriege unterbrochen und im 17. Jahrhundert mit Renaissance-Umbauten kurz wieder aufgenommen. Mit ihrer Schiffhöhe von 33 m ist die Maria-Schnee-Kirche der höchste gotische Kirchenbau der Hauptstadt. Im Innern steht auf dem größten Prager Altar das Gemälde "Mariä Verkündigung" (1724) von Václav Vavrinec Reiner. Täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.
Das an Stelle einer Hussitenkirche ab 1611 entstandene Gotteshaus war der erste Barockbau seiner Art in Prag. Ursprünglich entstanden für deutsche Lutheraner, fiel die Kirche 1624 im Zuge der Gegenreformation an den katholischen Karmeliterorden.Weltweites Pilgerziel ist die Wachsfigur des Prager Jesuskindes, eine spanische Renaissancearbeit, die Polyxene von Lobkowitz 1628 der Kirche schenkte. Täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Atemberaubend: In der St.-Niklas-Kirche (1703-56) fände der 60 m hohe Aussichtsturm des Petrínhügels locker Platz - so monumental entwarfen Vater und Sohn Dientzenhofer das barocke Gotteshaus auf der Kleinseite. Als Johann Lukas Kracker 1760 das Fresko über dem 75 m hohen Hauptschiff malte, schauten Dutzende Prager täglich dabei zu. "Die Verherrlichung des hl. Nikolaus" gehört mit 1500 m² zu Europas größten Gemälden. Das Dreifaltigkeits-Fresko in der Kuppel malte Franz Xaver Balko, die vier mächtigen Figuren darunter schuf der Rokokobildhauer Ignaz Platzer. Den fast 80 m hohen Glockenturm entwarf Anselmo Lurago. Täglich von 10 bis 16 Uhr geöffnet.
In der Metropolitankirche des Prager Erzbistums herrscht manchmal mehr Betrieb als in einer Bahnhofshalle. Aber die 124 m lange, 60 m breite und 34 m hohe Kathedrale behält trotz aller Unübersichtlichkeit ihre Würde. Obwohl der Grundstein bereits 1344 gelegt wurde, war der Dom erst 1929 fertig. Noch als Thronfolger machte Karl IV. den Franzosen Matthias von Arras zum Baumeister. Nach dessen Tod (1352) berief er, inzwischen Kaiser, den damals 23-jährigen Peter Parler aus Schwäbisch-Gmünd zum Architekten. Dieser gestaltete in den folgenden 46 Jahren das südliche Querschiff und den Chor. Nach Parlers Tod (1399) verschleppten die Hussitenkriege die Bauarbeiten, und erst 1892 wurden die beiden 82 m hohen Westtürme beendet. Der knapp 100 m hohe Hauptturm wurde gotisch begonnen, im Renaissancestil weitergebaut und barock beendet. Die stilwidrige Kupferspitze sollte vorläufig sein, doch das Provisorium hält bis heute.
Im Dom sah Parlers Plan kein Buntglasfenster vor, doch passt die mächtige Rosette ("Die Erschaffung der Welt") mit einer Fläche von 100 m² kongenial zu seiner Arbeit. Frantisek Kysela setzte sie 1921 aus mindestens 27 000 Gläsern zusammen. Bemerkenswert ist auch das Fenster "Kyrill und Method" in der dritten Kapelle - die Auftragsarbeit einer Bank wurde vom Jugendstilkünstler Alfons Mucha angefertigt. 1929 wurden die Arbeiten am Veits-Dom nach den alten Plänen von Peter Parler für beendet erklärt.
Das Prachtstück böhmischer Gotik (1365-1511) mit seinen 80 m hohen Türmen beherrscht den Altstädter Ring. Der kräftigere rechte Turm (genannt "Adam") spendet dem schlankeren ("Eva") im Sommer Schatten und senkt so die Innentemperatur - das war wichtig in Zeiten, in denen "Eva" als Lager für leicht Verderbliches diente. Die Marienstatue kam erst im 17. Jh. an die Fassade, zuvor prangte hier ein riesiger Kelch - das Zeichen der Hussiten, die das Abendmahl mit Brot und Wein zelebrierten. Nach ihrer Niederlage 1620 wurde der Kelch eingeschmolzen und zum Formen der Madonna benutzt.
Im kargen Innern der Kirche befindet sich nahe dem Hauptaltar die Grabplatte von Tycho Brahe (1546-1601). Der dänische Astronom von Kaiser Rudolf II. trug zu Lebzeiten eine Nase aus Gold und Silber, da er seine eigene bei einem Duell in Rostock verloren hatte. Die Restaurierung der 1673 vollendeten Orgel des Kölner Orgelbauers Johann Heinrich Mundt durch die Bonner Orgelbaufirma Klais war 1999 mit einer Festwoche gefeiert worden. Gottesdienste finden während der Renovierungsarbeiten nur Mittwoch bis Fr eitag um 18 Uhr, Samstags um 8Uhr und Sonntags um 11 und 21 Uhr statt.
Nach Pogromen und dem Wegzug zahlreicher Mitglieder versucht die jüdische Gemeinde seit der politischen Wende von 1989 einen Neubeginn. Die Anfänge waren viel versprechend, aber erst das nächste Jahrzehnt wird zeigen, ob das Judentum in Prag eine vitale Zukunft hat. Die steinernen Zeugen der Vergangenheit beweisen die große Kultur der Gemeinde und zeigen den Verlust, den die Stadt erlitten hat. Der Eintritt kostet 300 kc (inklusive Friedhof).
Die Altneusynagoge wurde um 1275 errichtet und ist die älteste gotische Synagoge Europas. In der zweischiffigen Halle beeindruckt vor allem die präzise Steinmetzarbeit, zum Beispiel am Eingangsportal mit seinen feinen Ornamenten. Der Legende nach haben Engel nach der Zerstörung Jerusalems Teile von Salomons Tempel hierher getragen. Auch der tönerne Golem des Rabbi Löw war hier zu Haus: Seine lehmigen Reste werden der Sage nach auf dem Dachboden aufbewahrt. Die mächtige Fahne im Gewölbe schenkte Kaiser Ferdinand II. den Juden für ihren tapferen Kampf gegen die Schweden 1648.
Straße:
Cervená 2
PLZ/Stadt:
Prag
Karte
Klaus-Synagoge
(Klausová synagoga)
In dem Barockbau aus dem 17. Jahrhundert befindet sich eine Dauerausstellung über jüdische Traditionen, Gewohnheiten und Feiertage mit seltenen hebräischen Drucken.
Die einst größte Prager Synagoge ließ Mordechaj Maisel Ende des 16. Jahrhunderts bauen. Nach einem Brand 1689 wurde sie verkleinert und zu Beginn des 19. Jahrhunderts neugotisch umgebaut. In ihr ist der Silberschatz aus vielen böhmischen Synagogen untergebracht.
Straße:
Maiselova 10
PLZ/Stadt:
Prag
Karte
Pinkas-Synagoge
(Pinkasova synagoga)
Die künstlerisch wertvollste Synagoge Prags wurde um 1530 von Aaron Meshullam Horowitz erbaut. Der spätgotische Bau wurde im 17. Jahrhundert um den Vorraum und die Frauengalerie erweitert. An den Wänden der Synagoge stehen die Namen der zwischen 1939 und 1945 ermordeten 77 297 Juden aus Böhmen und Mähren - ein erschütterndes Dokument. Eine Ausstellung zeigt Tagebücher, Briefe, Gedichte und Zeichnungen aus dem KZ Theresienstadt.
Straße:
Siroká 3
PLZ/Stadt:
Prag
Karte
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