Der älteste Prager Platz lässt sich von einem bequemen Stuhl aus am besten betrachten. Dutzende, allerdings nicht billige Restaurants bieten dazu im Sommer Gartenlokale an. Auf dem Altstädter Ring (damals "Großer Platz" genannt) wurden bereits im 12. Jahrhundert Waren umgeschlagen. Händler aus ganz Europa boten hier Gewürze und Gemüse, Schmuck und Seide, Holz und Zuchttiere an. Zuvor mussten die Kaufleute jedoch im Hof hinter der Teynkirche einen Zoll zahlen, das "Ungelt". So heißt der 1996 nach kostspieliger Renovierung eröffnete Platz noch heute. Und auch auf dem Altstädter Ring wird heute wieder mit allem Möglichen gehandelt. Bei dem, was vorrangig Touristen angeboten wird, scheinen Qualität und Authentizität nicht gerade Bedingung zu sein.
Hauptanziehungspunkt für die Besucher des traditionellen Zentrums ist die Astronomische Uhr am Altstädter Rathaus mit der stündlichen "Apostel-Parade" (9-21 Uhr). Genaue Beobachter können an den halben Fensterrahmen sehen, dass der Nordflügel des Rathauses fehlt. Er wurde in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs bei Gefechten der abziehenden Wehrmacht ruiniert. An der Ostseite des Rathausturms wurden 1621 nach der verlorenen Schlacht am Weißen Berg 27 Protestanten hingerichtet. Den Märtyrertod starb auch Jan Hus, dessen Statue sich inmitten des Platzes erhebt. Um den 1415 wegen Ketzerei in Konstanz verbrannten Reformator gruppierte Bildhauer Ladislav saloun Unterdrückte (links) und Aufständische (rechts). Ein Augenschmaus sind die zahlreichen Palais im Rokoko-, Renaissance- und Gotikstil, die berühmte Bewohner wie Franz Kafka, Albert Einstein und Bedrich Smetana hatten (Gedenktafeln erinnern daran).
Ein Boulevard der Eiligen, der Schlendernden, der Verliebten, der Erlebnishungrigen, der Taschen- und der Tagediebe: Das ist der Wenzelsplatz heute. Er beherbergt zwei Metrostationen, zehn Wechselstuben, zahlreiche Büros, Geschäfte und Restaurants, dabei hatte ihn Karl IV. 1348 lediglich als Rossmarkt vor den Toren der Altstadt gegründet. 500 Jahre später unterlagen die Böhmen hier in einem Streit den Habsburgern. Zum Trotz gaben sie dem 750 m langen und 60 m breiten Ort den Namen des Landespatrons Wenzel. Er steht als Bronzedenkmal am oberen Ende des Platzes, vor dem gewaltigen Gebäude des Nationalmuseums. Flankenschutz geben der Reiterfigur die Statuen der Landesheiligen Agnes, Ludmila, Prokop und Adalbert (Vojtech). In der Nähe des Denkmals verbrannte sich der Student Jan Palach am 16. Januar 1969 aus Protest gegen die Lethargie des Volks nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten (Gedenkstätte im Pflaster vor dem Nationalmuseum).
In den 1980er-Jahren versuchte Innenminister Lubomir Strougal, mit der Anlage des mittleren Grünstreifens Demonstrationen zu verhindern. Wenige Jahre später konzentrierte sich hier der Protest gegen das kommunistische Regime. Als Václav Havel im November 1989 vom Balkon des Verlagshauses Melantrich sprach, war die demokratische Revolution nicht mehr aufzuhalten.
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