Wo heute Touristen aus aller Welt flanieren, hielt 1648 eine Armee vornehmlich aus Studenten und Juden die Schweden auf und gab dem Dreißigjährigen Krieg eine entscheidende Wende. Beim Gefecht wurde der Zierrat an der Brückenseite des Turms zerstört. Trotzdem gilt die um 1391 nach Plänen von Peter Parler gebaute Steinsäule als Europas prachtvollster Brückenturm des Mittelalters. Die Wappen über dem Tor sollen die zehn Länder symbolisieren, die Karl IV. zum böhmischen Königreich vereinigte. Der "Eisvogel im Liebesknoten" war das Zeichen König Wenzels IV., unter dessen Herrschaft die Arbeiten am Turm vollendet wurden. Im Kerkergewölbe sieht man heute noch Inschriften von Inhaftierten. Täglich von 10 bis 22 Uhr geöffnet.
Willkommen bei der "meistfotografierten Männergruppe seit den Beatles". So jedenfalls nannte eine Prager Zeitung einmal die zwölf Apostelfiguren, die jede volle Stunde aus zwei unscheinbaren Luken des Rathausturms schauen. In Spitzenzeiten stehen Hunderte vor der Südseite des frühgotischen Hauses, um die Besuchersensation zu sehen. Apropos Zeit: Die filigrane Astronomische Uhr zeigt seit 1410 - mit störungsbedingten Unterbrechungen -, ob die Sterne günstig stehen. Umrahmt sind die Kalenderscheiben von den "vier größten Gefahren der Menschheit", wie man sie damals sah: Der Tod droht mit der Sanduhr, die Eitelkeit kokettiert mit ihrem Spiegelbild, ein Türke droht mit weiteren Kriegen, und ein Geizhals schüttelt einen prallen Beutel.
König Johann von Luxemburg hatte im September 1338 der Verwaltung angeboten, aus dem Ertrag der Weinsteuer ein Rathaus zu bauen. Bereits wenige Wochen später erstand die Gemeinde das Haus des Kaufmanns Wolflin und vergrößerte es nach 1360. Zunächst wurden benachbarte Häuser geschickt angebaut, dann zog die Altstadt den schlanken Turm als "Symbol der weltlichen Macht" hoch. Der fast 70 m hohe Bau war aber auch Schauplatz eines folgenreichen Massakers: Vor der Ostseite, wo Kreuze in das Pflaster eingelassen sind, ließen 1621 die katholischen Habsburger 27 protestantische Anführer hinrichten. Erst drei Jahrhunderte später, nach dem Ersten Weltkrieg, konnten sich die Tschechen aus der Abhängigkeit befreien. Täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintriff beträgt 40 kc.
Auch 650 Jahre nach ihrer Gründung hat die Lehranstalt noch einen klingenden Namen. Karl IV. gründete sie am 7. April 1348 als erste mitteleuropäische Universität. Studenten mussten jedoch zunächst auf einen Campus verzichten, denn als Hörsaal dienten den vier Fakultäten Klöster und Kirchen - die größten Gebäude damals. Erst 1383 schenkte Wenzel IV. dem Collegium Carolinum das gotische Haus des Münzmeisters Johlin Rothlev. Nach der Barockisierung der Fassade durch Frantisek M. Kanka 1718 wurde später auch die imposante Aula im ersten Stock umgestaltet. Der dort hängende Wandteppich "Karl IV. kniet vor dem hl. Wenzel" stammt von Václav Sychra (1947). Die Deckenvorhänge mit den Wappen der böhmischen Länder haben übrigens nicht nur optische Funktion: Sie wurden zur Verbesserung der Akustik angebracht. Die verschiedenfarbigen Steine an der Fassade des Karolinums wurden in den vergangenen Jahrzehnten bei Renovierungen eingefügt. So soll neue und alte Bausubstanz deutlich gemacht werden.
Jahrzehntelang war in Prag gestritten worden, wie die Baulücke neben dem grandiosen Nationaltheater gefüllt werden soll. Erst 1977 begann man mit dem Bau der Glasfassade, einem kühnen Entwurf von Karel Prager. Innen ist das Gebäude mit grünen Marmorplatten aus Kuba verziert. Der schlichte Zuschauersaal wendet sich wie ein Amphitheater der Bühne zu. Nach der Beendigung des Baus 1983 wirkte hier zunächst die Nová scená (Neue Bühne). Später zog die Laterna magika aus dem Palais Adria hierher. In den Vorstellungen ergänzt sie die Pantomimeeffekte des klassischen Schwarzlichttheaters mit Videotechnik. Da die Stücke sehr beliebt sind, ist das Haus oft ausverkauft. Interessenten sollten also früh eine Karte kaufen.
Das Neorenaissancegebäude wurde ab 1868 an der Stelle des Prager Salzlagers errichtet. Landesweit sammelten Sendboten damals Geld von der Bevölkerung, um den Bau nach Entwürfen von Josef Zítek zu vollenden. Doch kurz nach der Eröffnung (mit Bedrich Smetanas "Libuse") legte ein Feuer das Theater am 12. August 1881 in Schutt und Asche. Der Wiederaufbau wurde zur nationalen Pflicht erklärt, und die Tschechen brauchten nur sechs Wochen, um das Unglaubliche Wirklichkeit werden zu lassen: Freizügig spendeten die Menschen genug Geld für einen Neubau. Am 18. November 1883 wurde das Theater nach einem Projekt von Josef Schulz umso feierlicher eingeweiht. An der Ausstattung beteiligten sich die besten Künstler - der geniale Festvorhang über der Bühne stammt von Václav Hynais.
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Národnà trida 2
PLZ/Stadt:
Prag
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224 93 37 82
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Neue Welt
(Novy svet)
Ganz in der Nähe des Loretoheiligtums befindet sich dieses pittoreske Viertel aus dem 16. Jahrhundert Das heutige Aussehen der Häuschen, in denen viele Maler ihre Ateliers haben, stammt aus dem 18. Jahrhundert In der "Goldenen Birne" (Nr. 3) kehrten vor Jahrzehnten die einfachen Leute ein, heute ist das Restaurant etwas für gehobene Ansprüche. In der Nr. 1 wohnte um 1600 der dänische Astronom Tycho Brahe, der am Hof von Kaiser Rudolf II. angestellt war. Und für Insider: In der Neuen Welt befand sich in den 1960er-Jahren auch das kreative Hauptquartier von "Pan-Tau"-Regisseur Jindrich Polák.
Die Bauzeit ist rekordverdächtig: Der gotische Turm war 1475 begonnen, aber erst 400 Jahre später beendet worden. 1484 brach man die Arbeiten an dem Repräsentationsobjekt ab, weil der damalige König Vladislav seinen Amtssitz von der Altstadt in die Burg verlegte. Der 65 m hohe Turm erhielt ein provisorisches Dach und diente Ende des 17. Jahrhunderts als Schwarzpulverlager (daher der Name). Erst 1886 wurde bei einer Restaurierung ein Walmdach montiert. Täglich von 10 bis 22 Uhr geöffnet, der Eintritt beträgt 40 kc.
Das atemberaubende Beispiel tschechischer Sezessionsarchitektur wäre ohne den Wechsel des Amtssitzes von König Vladislav kaum gebaut worden. Auf dem ehemaligen Königshof, der weitgehend brachlag, entstand das Repräsentationshaus (1906-11) mit dem halbkreisförmigen Mosaik "Huldigung für Prag" von Karel špillar über dem Haupteingang. Im Smetana-Konzertsaal gastiert alljährlich das renommierte Musikfestival "Prager Frühling". Außerdem befinden sich im Repre, wie das Repräsentationshaus im Sprachgebrauch der Prager heißt, noch fünf weitere Säle, zwei Restaurants und ein Café.
Die kürzliche Renovierung des Obecní dum (was auf Deutsch eigentlich "Gemeindehaus" bedeutet) in den Jahren 1995 bis 1997 kostete etwa 5 Millionen Euro. Bei Gruppenbesuchen können Führer mit Fremdsprachenkenntnissen am Informationsstand im Erdgeschoss oder telefonisch angefordert werden.
Wenn das Repräsentationshaus einen Smetana-Saal hat, darf im Rudolfinum (1876-84) eine Huldigung an das zweite tschechische Musikgenie nicht fehlen. Im Haus der Künstler (wie der Neorenaissancebau mit offiziellem Beinamen heißt) führt eine eindrucksvolle Säulenhalle zum Dvorák-Konzertsaal. Am Entwurf der Architekten Josef Schulz und Josef Zítek ist außerdem die mondäne Freitreppe bemerkenswert - sie diente bereits zahlreichen TV-Werbespots als Hintergrund. Das nicht nach dem Kaiser, sondern dem späteren Kronprinzen Rudolf benannte Haus, das von Antonín Dvorák feierlich eröffnet worden war, beherbergte auch für kurze Zeit das Parlament. Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Durch die Stadtautobahn vom Zentrum abgeschnitten, steht die Staatsoper neoklassizistisch zwischen Jugendstil-Hauptbahnhof und dem funktionalistischen Parlamentsgebäude aus den 1970er-Jahren. Bis 1885 stand hier das hölzerne "Neustädter Theater", dann wurde drei Jahre später (mit der urdeutschen Wagner-Oper "Die Meistersinger von Nürnberg") das "Deutsche Theater" eröffnet. Den Entwurf für das Gebäude hatten die Wiener Architekten Ferdinand Fellner und Herrmann Helmer geliefert. Später änderte die Bühne ihren Namen in "Neues Deutsches Theater" und "Smetana-Theater". Seit 1992 heißt der reich verzierte Bau, in dem Richard Wagners "Ring des Nibelungen" zwischen 1888 und 1938 mehr als fünfzig Mal aufgeführt wurde, klangvoll "Staatsoper". Vom deutschen Hintergrund des Hauses zeugt auch die Fassade: Neben dem Dionysoswagen und der Muse Thalia befinden sich Porträts der Geistesgrößen Goethe und Schiller.
Das klassizistische Gebäude war eine Auftragsarbeit von Graf Franz Anton Nostitz-Rieneck und wurde zwischen 1781 und 1783 nach Entwürfen von Anton Haffenecker gebaut. Als "Nostitz-Theater" wurde es mit Gotthold Ephraim Lessings "Emilia Galotti" eröffnet.
Die erste Vorstellung in tschechischer Sprache fand 1785 statt, bevor Mozart hier seinen "Don Giovanni" am 29. Oktober 1787 dirigierte. Der Meister hatte sich im Vorjahr mit "Figaros Hochzeit" in die Herzen der Prager gespielt. Damals trug das Haus noch nicht seinen jetzigen Namen: Die böhmischen Stände übernahmen erst 1799 die Leitung. Später wirkte hier Carl Maria von Weber als Direktor, Clara Schumann und Richard Wagner gaben Gastkonzerte. Zwischen 1945 und 1991 hieß das Haus "Tyl-Theater" nach dem Mitautor der Nationalhymne, Josef Kajetán Tyl (1808-56). Sein Lied "Kde domov muj?" (Wo ist meine Heimat?) wurde hier zum ersten Mal gespielt.
Der amerikanische Architekt Frank O. Gehry und sein slowenischer Kollege Vlado Milunic füllten 1996 die Lücke, die eine Fliegerbombe im Zweiten Weltkrieg in die Häuserreihe gerissen hatte, mit einem kühnen Entwurf. Und die Prager mögen ihn: Schon kurz nach dem Richtfest erhielten die beschwingten Säulen den Kosenamen "Ginger & Fred" - nach dem furiosen Duo Ginger Rogers und Fred Astaire. Gekrönt wird das Gebäude durch eine Kugel aus Lochblech. Die an die Fassade gemalten Kurven versinnbildlichen die Moldauwellen. Im gleich nebenan stehenden Haus (Nummer 78) wohnte lange Zeit ein berühmter Bürgerrechtler: Václav Havel.
Straße:
RasÃnovo nábrezà 80
PLZ/Stadt:
Prag
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