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Vatikan
Schweizer Garde vorm Vatikan
Schweizer Garde vorm Vatikan
© Michael Wilson / Creative Commons
Ironie der Geschichte: 1870, im selben Jahr, als das Erste Vatikanische Konzil dem Papst die Unfehlbarkeit in Glaubensfragen bescheinigte, vertrieben die italienischen Einheitstruppen den Pontifex Maximus aus Rom. Damit fiel die letzte Bastion des Kirchenstaats, der sich früher über ganz Mittelitalien erstreckte. Der Heilige Vater zog sich in den Vatikan zurück. Erst 1929, als Benito Mussolini und Pius XI. die Lateranverträge schlossen, normalisierten sich die Beziehungen. Der Vatikan wurde wieder ein souveräner Staat, der kleinste der Welt auf rund 440 000 m² Land. Seinen 600 Untertanen mit vatikanischem Pass und den 2000 italienischen Angestellten, die jeden Morgen die Schweizergarden passieren, mangelt es an nichts. Sie müssen nicht einmal Steuern zahlen. Der Stato della Città del Vaticano hat eigene Supermärkte, Radiosender und einen Hubschrauberlandeplatz, wo Benedikt XVI. vom Vatikan nach Castel Gandolfo schwebt. Zudem besitzt er eine eigene, 110 Mann starke Schweizergarde, eigene Münzen, Briefmarken und eine Post, die im Gegensatz zur italienischen zuverlässig funktioniert (Postamt auf dem Petersplatz). Ein ganz normaler Staat also, allerdings hat er Nachwuchsprobleme und besteht (fast) nur aus Männern.
Papst Benedikt XVI. in einer Privataudienz
Papst Benedikt XVI. in einer Privataudienz
© Creative Commons / Sergey Kozhukhov
19. April 2005: Kleine weiße Rauchwölkchen über der Sixtinischen Kapelle symbolisieren der Welt: Habemus papam - wir haben einen Papst. Oder, wie die Bildzeitung euphorisch titelte: "Wir sind Papst!". Denn mit Benedikt XVI., wie Kardinal Joseph Ratzinger sich nennt, kam nach Jahrhunderten wieder ein Deutscher auf den Stuhl Petri. Die Italiener, im fast zweitausendjährigen Umgang mit 265 Päpsten geübt, stellen dem Neuen aus Marktl am Inn wohlwollende Noten aus. Zwar ziehen laut Umfrage des Wochenmagazins "Espresso" immer noch zwei Drittel aller Befragten den charismatischen Johannes Paul II. vor. Doch halten viele den gestrengen Theologieprofessor für offen und dialogbereit. Zu Benedikts Mittwochs-Audienzen kommen immerhin mehr als doppelt soviel Gläubige wie unter seinem Vorgänger. Und dass der 78-jährige Papst gerne modische Accessoires wie Markensonnenbrille und rote Maßschuhe à la Prada trägt, trifft bei den Römern eh auf Sympathie.
Nahverkehr
Bus 40, 62
U-Bahn
Metro A: Cipro-Musei Vaticani
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