Eine quirlige Bar- und Kneipenszene
Die Zeiten von Venedig als Ballsaal Europas sind lange vorbei. Doch neuerdings pulsiert in dem Gassenlabyrinth wieder das Nachtleben.
Nach Einbruch der Dunkelheit, spätestens jedoch am mittleren Abend, scheint sich ganz Venedig zur Nachtruhe zu betten. So will es zumindest das Klischee und Vorurteil. Gewiss, wer ein kosmopolitisches Nachtleben mit einer facettenreichen Disco-, Show- oder Clubszene erwartet, wird tatsächlich enttäuscht. Venedig ist schließlich keine pulsierende Welt-, sondern, was seine Bevölkerungszahl betrifft, seit vielen Generationen nur mehr eine Kleinstadt.
Nichtsdestotrotz lässt sich, vor allem während der Touristensaison, also von März bis Oktober und zum Karneval, auch an den Abenden mehr als genug unternehmen. Denn erstens existieren, wenn auch zum Teil nur für ein des Italienischen kundiges Publikum, sehr wohl ein paar Theater, Kleinkunstbühnen und Kinos mit gutem Programm. Zweitens werden in zahlreichen Kirchen, Bruderschaftsschulen und Palästen regelmäßig hörenswerte Abendkonzerte veranstaltet. Und drittens halten das berühmte Casino und mehrere Discotheken bis spät in die Nacht ihre Pforten geöffnet.
Vor allem aber, und diese Tatsache hat sich außerhalb der Stadt noch allzu wenig herumgesprochen, ist in den letzten Jahren eine quirlige Bar- und Kneipenszene entstanden, die zahlreiche Möglichkeiten bietet, inmitten einheimischer Jugend und der vielen Gaststudenten auch nach Mitternacht Lokalkolorit zu schnuppern. Da gibt es Künstlercafés, Kabarett, Livejazz, Pubs und an Sommerabenden auf manchen Plätzen des Öfteren Gegenwartsmusik und -kunst unter freiem Himmel. Was freilich nicht heißen soll, dass es in den engen Gassen nicht immer noch genügend Ecken und Plätze gibt, an denen man - zumal an nebligen Herbst- und Winterabenden - die ebenso reizvolle wie unheimliche Düsternis und Stille erleben kann, wie man sie aus diversen Filmen und Kriminalromanen kennt.