Venezianische Küche
Genießen Sie die Küche der Lagune in den zahllosen Trattorien, "bacari" und Gourmetlokalen der Stadt
Restaurant mit Terrasse am Canale
© NARANZARIA
Die Meinungen sind, gelinde gesagt, geteilt: Während manche die "cucina veneziana" ob ihrer traditionsreichen und feinen Rezepte nach wie vor als eine der führenden Küchen der Welt preisen, halten andere sie für vom Massentourismus längst verdorben
Natürlich haben beide, Schwärmer wie Lästerer, auf ihre Art Recht. Denn sosehr mancherorts Küchenchefs mit Hilfe des fangfrischen, ungemein vielfältigen Meeresgetiers und der knackfrischen Schätze von den Gemüseinseln und Feldern des Festlands regelrechte kulinarische Hochämter zelebrieren, so schwer verdaulich ist, was man andernorts als liebloses "menù turistico" zum - oft gar nicht so günstigen - Pauschalpreis auf den Teller gepappt bekommt. Auf jeden Fall wartet die venezianische Küche immer noch mit vielen unvergleichlichen Spezialitäten auf, von den Dutzenden Pastavariationen über die originell zubereiteten "frutti di mare" und Fleischspeisen bis zu den sündhaft süßen Erzeugnissen ihrer Konditoren.
Eingang zu einer hübschen Trattoria
© Trattoriai Da Fiore
Authentische Küche in "bacari" und Trattorien
Wer sich durch die authentische gastronomische Landschaft der Lagunenstadt kosten will, hat zuallererst in einigen "bacari" (die Betonung liegt auf dem ersten a) einzukehren. Denn was den Wienern ihre Beisln und Heurigen, den Pragern ihre Bierstuben und den Parisern ihre Bistros, sind den Venezianern diese schlichten Stehbars - eine Institution, in der sie vom frühen Vormittag bis nachts ihre ombra, das Gläschen Hauswein, kippen, dazu ein paar delikate Häppchen, die "cicheti", knabbern und vor allem schwatzen können.
Die zweite kulinarische Hochburg echter "italianità" ist die Osteria respektive Trattoria. Erstere deutlich volkstümlicher, wirtshausmäßiger, Letztere in Richtung bürgerlicher Gaststätte tendierend, bieten sie beide für gewöhnlich ein gutes Maß an Gemütlichkeit und - mindestens - solide Hausmannskost (wobei böse Zungen behaupten, dass die Qualität der Lokale mit der Distanz zum Markusplatz wachse).
Große Auswahl an Antipasti
© Trattoria Da Fiore
Vom Supermercato bis zum Gourmettempel
Daneben gibt es unter den insgesamt rund 600 gastronomischen Betrieben selbstredend auch Dutzende gehobene Restaurants und exklusive Gourmettempel, die freilich das Reisebudget oft gehörig strapazieren. Nicht nur aus Kostengründen, sondern auch, weil es dort viele kleine, typisch italienische Leckereien gibt, können Sie zwischendurch aber auch einmal in einem Supermercato einkehren und sich für ein kleines Picknick verproviantieren. Zwei nett sortierte liegen zum Beispiel am Rio Terrà Sant'Aponal und in der Calle Seconda dei Saoneri/Ecke Rio Terrà. Stark präsent ist in Venedig seit kurzem auch die deutsch-österreichische Kette Billa. Deren größte Filiale liegt in der Strada Nova, 3660, ein kleinerer, ebenfalls gut bestückter Ableger an den Fondamenta Zattere Ponte Lungo gleich neben der Vaporetto-Station San Basilio.
Der Hauswein rundet das Menü ab
©Claudia Hautumm / pixelio.de
Ein klassisches venezianisches Menü
Ob Feinschmeckertreff oder Trattoria, die Speisenfolge eines klassischen Menüs ist immer gleich: Den Anfang machen die Vorspeisen ("antipasti"). Es folgen als "primo piatto" (erster Gang) eine Suppe, Pasta oder ein Risotto. Der Hauptgang ("secondo piatto") besteht aus einem Fisch- oder Fleischgericht samt Beilage ("contorno"), die extra bestellt werden muss. Den Abschluss bilden ein Dessert ("dolce") und/oder Obst. Dazu trinkt man Wein ("vino"), und zwar oft den Hauswein ("della casa"), und zum Durstlöschen Wasser aus der Karaffe. Wer sich übrigens mit einem ersten Gang, etwa einem Teller Nudeln mit Salat, begnügt, erntet zwar mancherorts vielleicht leichtes Naserümpfen, wird aber anstandslos bedient.
Zu Mittag haben die Küchen meist von 12 bis circa 14.30 Uhr Betrieb, am Abend von 19 bis etwa 22 Uhr. Für Brot und Gedeck ("pane e coperto") wird so gut wie immer ein fixes Zusatzsümmchen von ein bis zwei Euro kalkuliert, hie und da auch noch mehr. Trinkgeld ("servizio") ist je nach Vermerk in der Speisekarte inbegriffen oder in der Höhe von ungefähr zehn Prozent extra zu bezahlen.
Ein Wort noch zur "colazione", dem Frühstück: Es ist vor allem in preiswerteren Hotels leider immer noch oft recht erbärmlich, besteht aus bröseligen Brötchen, vakuumverpackter Marmelade und dünnem Filterkaffee. Es empfiehlt sich, stattdessen in der nächsten Bar einen "caffè" oder "cappuccino" samt "cornetto", "panino" oder "tramezzino" zu ordern. Das ist schmackhafter, preiswert und stimmt außerdem gleich passend auf den quirligen, venezianischen Alltag ein.