Stadtbild
Dämmerung am Canale Grande
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Niemand, der in der Lagunenstadt ankommt, sieht dieses Weltwunder zum ersten Mal: Zu oft wurde es beschrieben, besungen, auf Bildern und in Filmen dargestellt, sodass es längst Eingang in das kollektive Bewusstsein ganz Europas gefunden hat. Unvermeidlich erstehen wohl bei jedem im Geist sofort Bilder dieses von Wasserläufen durchzogenen Gespinstes aus Stein - Bilder von phantastischem Reichtum, von Macht, Schönheit und zugleich auch von Vergänglichkeit und Niedergang.
Die wasserumspülten Paläste entlang der großen Kanäle sehen tatsächlich so unwirklich glänzend und zugleich so morsch aus, wie in den Bildbänden und Reisekatalogen. Die Piazza San Marco und an ihrer Stirnseite der gleichnamige Dom erscheinen auch in natura wirklich so mondän und makellos, als handle es sich um eine glamouröse Filmkulisse. Und das Panorama vom Kai vor dem Dogenpalast übers Wasser Richtung San Giorgio und Giudecca gleicht jenem, das Canaletto malte, in der Tat aufs Haar.
Schöne Aussichten vom Glockenturm
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Ein erster Blick auf die Stadt
Der Blick vom Kirchturm ist es, der dem Neuankömmling auf Anhieb ein Bild von der Einmaligkeit der Lage und Anlage dieser Stadt vermittelt. Vom Campanile des Benediktinerklosters San Giorgio Maggiore zum Beispiel sind die Umrisse der Stadt gut auszumachen. Im Osten sieht man das riesige Gelände des Arsenals, der Schiffswerft. Noch ein Stück weiter östlich leuchtet das Grün der Giardini Pubblici, des Stadtparks, und das angrenzende Ausstellungsareal der Biennale. Im Westen ragen die Betonklötze der Parkgaragen und des Bahnhofs aus dem Schindeldächermeer, und in weiter Ferne ragen die Schlote der Industriezonen von Marghera und Mestre in den dort allzu oft smogverhangenen Himmel. Im Norden erahnt man den langen Kai der Fondamente Nove. Zum Greifen nah hingegen ist das große, spiegelverkehrte "S" des Canal Grande. Ein kleines Stück östlich von dessen Ende liegt das Herz und einstige Machtzentrum der Stadt: der Dogenpalast sowie die Piazza di San Marco mit der Basilika.
Am Anfang, so schreibt es der millionenfach erprobte Besichtigungskanon vor, steht die Fahrt über Venedigs Prachtboulevard, den Canal Grande. Man besteigt am Bahnhof oder neben der Autogarage am Piazzale Roma ein vaporetto der Linie 1 - eine jener schwimmenden Straßenbahnen, die angenehm gemächlich von Station zu Station tuckern - und lässt das 2,5 km lange Spalier von Palast- und Kirchenfassaden vorbeidefilieren. Danach beginnt, was viele als das eigentliche Venedigerlebnis preisen: das stundenlange, ziellose Flanieren durch diesen einzigartigen, über ein Jahrtausend gewachsenen Irrgarten aus Stein.
Eingang zum Arsenale
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Centro Storico
Aus sechs Bezirken ("sestrieri") besteht das "centro storico", das alte Venedig. Auf den ersten, oberflächlichen Blick mag man meinen, deren Gassenlabyrinthe würden einander gleichen. Doch in Wahrheit verströmt jedes der sechs sestieri sein eigenes, ganz spezifisches Flair. Da ist San Marco mit seinem mondänen Getriebe, der eleganten Piazza und den von ihr ausgehenden Ladenzeilen. Deutlich volkstümlicher geht es in San Polo zu und in Castello, in dessen Mitte das Arsenal, das Gelände der Schiffswerft, bis heute einen menschenleeren, vor unbefugten Blicken sorgsam abgeschotteten Fremdkörper im sonst so dicht bevölkerten Stadtgefüge bildet.
Dorsoduro, der "harte Rücken", präsentiert sich auf seinem zentralen Platz, dem Campo Santa Margherita, und in den umliegenden Gassen mit einer reizvollen Mischung aus dörflicher Provinzialität (tagsüber) und studentenszeniger Dynamik (abends). An seinen Rändern, namentlich auf der im Süden vorgelagerten Insel Giudecca und ganz im Westen, nahe dem Hafen und im Bezirk Santa Croce, werden die proletarischen Traditionen Venedigs sicht- und spürbar. Die abgehalfterten Industrie- und Gewerbebetriebe geben den beiden Stadtteilen ein ziemlich armseliges, stellenweise sogar ausgesprochen desolates Gepräge. Unerwartet weiträumig und hell hingegen erscheint der nordwestliche Stadtteil Cannaregio mit seinen breiten, lichtdurchfluteten Kanälen und den vergleichsweise geraden Häuserzeilen.
Venezianischer Hinterhof
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Für alle sechs "sestieri" gilt: Nicht jede Route ist planbar. Sie sollten getrost auch mal für ein paar Stunden dem Zufall die Regie überlassen. Denn nur so, durch - unfreiwillige - Abstecher und Umwege, durch verirrte Blicke in Sackgassen und Hinterhöfe lernen Sie das verborgene, stille und in gewissem Sinne echte Venedig mit seinen unzähligen kleinen Attraktionen kennen. Und fühlt man sich an einer Stelle einmal wirklich verloren, weist nach kurzem Suchen ganz gewiss an einer Hausecke eines der rettenden gelben Schilder den Weg hinaus Richtung "Rialto", "San Marco" oder "Ferrovia" (Bahnhof).
Rund um den historischen Stadtkern ("centro storico") lagern jene Dutzende Inselchen, die zum Teil immer noch jede für sich einem bestimmten sozialen Zweck dien(t)en - die Friedhofsinsel San Michele zum Beispiel, die Gemüseinseln Le Vignole und Sant'Erasmo, die ehemalige Quarantänestation Lazzaretto Nuovo und die frühere Nervenheilstätte San Clemente. Nicht zu vergessen die Glasbläserinsel Murano, der alte Bischofssitz Torcello, dazwischen Burano, das Refugium der Spitzenklöpplerinnen, und, am südlichen Horizont, der Lido, die schmale Sandzunge zwischen Lagune und offenem Meer.
Gondel auf dem Canale
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Gondeln
Eine romantische Gondeltour zählt für viele immer noch zu den Highlights eines Venedigbesuchs. Eine 50-minütige Fahrt für bis zu sechs Personen kostet tagsüber 73, nachts 91 Euro (Verlängerung je 25 Minuten 37 bzw. 47 Euro). Die Gondolieri haben ihre Standplätze vor der Piazzetta San Marco, vor dem Hotel Danieli, hinter dem Markusplatz am Bacino Orseolo sowie entlang dem Canal Grande am Piazzale Roma, am Bahnhof beim Campo Santa Sofia, bei der Rialtobrücke und nahe den vaporetto-Stationen von San Tomà, Giglio und Vallaresso.
Gondelfähren, die Spaziergänger für 0,40-1,50 Euro pro Strecke über den Canal Grande übersetzen, gibt es am Bahnhof, bei San Marcuola, bei Santa Sofia neben der Ca' d'Oro, an der Riva del Carbon neben der Rialtobrücke, bei San Tomà, zwischen San Samuele und Ca' Rezzonico sowie bei Santa Maria del Giglio.
Hochwasser auf dem Markusplatz
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Hochwasser - acqua alta
Im Winterhalbjahr gehört "acqua alta" beinahe schon zum Alltag. Droht eine Flut, wird sie in der ganzen Stadt durch Warnsirenen angekündigt. Der Spuk ist normalerweise in wenigen Stunden vorbei. In einigen vaporetto-Stationen hängen Pläne, auf denen jene Holzstege eingezeichnet sind, über die man selbst bei Hochwasser trockenen Fußes sein Ziel erreicht.