Städtereisen, Kurzurlaub, Online Reiseführer

Städtereisen Reiseführer Kurzurlaub

Zu Besuch in einer jungen Stadt der Lebenslust, einer Metropole mit dörflichem Charme!
Home   Venedig   Geschichte   Stadtgeschichte

Stadtgeschichte

Freilich genügt es, ein, zwei Stunden durch das Labyrinth aus Gassen, Plätzen und Hinterhöfen zu schlendern, um zu ahnen: Hier harrt nicht bloß eine architektonisch besonders schöne, so dicht und reich wie keine zweite mit Kunstschätzen bestückte Stadt der Erkundung. Nein, hier gilt es, das weltweit wohl wundersamste Gemeinwesen, ein einzigartiges Phänomen der Zivilisationsgeschichte, mit allen Sinnen - und hoffentlich mit Muße - zu erspüren.
© Fabian Voswinkel / pixelio.de
Eine Stadt im Wasser
Das Wunder nahm um 500 n. Chr. seinen Anfang, als die Festlandbewohner, die Veneter, ihrer jahrhundertelangen Rückendeckung durch das Römische Reich beraubt, vor den Hunnen und Langobarden in die Lagune flohen. Malamocco, Torcello und Olivolo, so hießen die ersten dauerhaften Siedlungen, die sie im Schutz der Sümpfe, Salzseen und Kanäle errichteten. Kurz nach 800 verbanden sie nach und nach Dutzende kleiner Inseln mit Brücken, rammten Millionen von Holzpfählen in den schlammigen Untergrund und schufen so jenes 7,5 km² große Stadtgebiet, wie es sich heute noch mit seinen alles in allem rund 3000 Gässchen und 100 Plätzen, den etwa 150 Kanälen und über 400 Brücken präsentiert. Die Vorstellung, man könnte unter den Häusern der Stadt durchtauchen, ist übrigens eine Legende: Die Pfähle, auf denen Venedig errichtet wurde, stehen nicht im Wasser, sondern in schlammigem Boden, die Zwischenräume wurden mit Lehm verfüllt.
Reliquien und Kreuzzüge
Venedig hat es immer schon verstanden, sich mit sich selbst und den Umständen zu arrangieren. Seine Bewohner sind seit alters begnadete Händler und als solche im Kollektiv naturgemäß pragmatisch und wertkonservativ. Dies war so, als sie im 9. Jahrhundert erst mit Unterstützung von Byzanz den Angriff der Franken abwehrten und sich wenig später auch von ihren Helfern emanzipierten. Dies war so, als sie im Jahr 827 die angeblichen Reliquien des heiligen Markus aus Alexandria raubten, den frechen Coup nachträglich jedoch als "translatio", als legitime "Überführung" also, bezeichneten und propagandistisch ausschlachteten.
Dies war auch so, als sie 1204 unter Führung des 97-jährigen, vollkommen blinden Dogen Enrico Dandolo den vierten Kreuzzug kurzerhand nach Konstantinopel umlenkten und dort die Schätze ihrer christlichen Glaubensbrüder plünderten. Und erst recht verhielt es sich während der folgenden Jahrhunderte so, als die Dogen mit eiserner Faust die Interessen der Republik nach innen und außen wahrten und etwa in einem langwierigen Konflikt mit dem Papst ihre kirchliche Sonderstellung verteidigten, als Venedigs Flotte in jahrzehntelangem Krieg die Genuesen niederrang, später mit Hilfe diverser Allianzen für längere Zeit sogar die Osmanen übertrumpfte und als dominierende Handelsmacht im östlichen Mittelmeer unvorstellbare Geldsummen scheffelte.
Dogenfiguren
Dogenfiguren
© Henning Schmidt / pixelio.de
Dogen
Ob die Männer wirklich zu beneiden waren? Da bekleideten sie als Dogen das höchste Amt, das der mächtigste Stadtstaat auf Erden zu vergeben hatte. Und dann durften sie die Republik nicht ohne Genehmigung verlassen. Durften weder ihre Berater selbst auswählen noch unter vier Augen Gesandte empfangen. Geschenke anzunehmen war ihnen ebenso verboten wie ins Café oder Theater zu gehen oder gar unaufgefordert abzudanken. Selbst ihrer Ehefrau konnten sie keinen Brief schreiben, ohne dass ihn der Zensor las. Und ab dem 11. Jahrhundert verfügten sie nicht einmal mehr über wirkliche Macht. Seit 697 hatten sie als mittelalterliche Souveräne selbstherrlich und eigenverantwortlich regiert. Hatten mit Kaiser und Papst verhandelt, Fragen von Krieg und Frieden selbst entschieden und sogar ihre Nachfolger auf eigene Faust bestimmt. Doch dann, im Jahr 1032, war ein Doge aus dem einflussreichen Orseolo-Clan der Machtgier erlegen, hatte versucht, die Erblichkeit des Amtes durchzusetzen. Prompt wurde er mitsamt seinem Sohn ermordet. Und seinen Nachfolgern wurden ihre Befugnisse radikal beschnitten. Zu ausführenden Beamten degradiert, wurden sie vom berüchtigten Rat der Zehn, einer Art Staatssicherheitsdienst, überwacht. Das Resultat: In späteren Jahrhunderten war kaum noch eine fähige Persönlichkeit zur Übernahme des Amtes bereit.
Eroberung der Terra Ferma
Als die Venezianer im 14. Jahrhundert ihre ersten überseeischen Positionen verloren, begannen sie ihr Augenmerk auf die sogenannte Terra Ferma zu richten. Konnte das Hinterland nicht eine ergiebige Alternative zu den bisherigen Lebensmittel- und Rohstoffquellen sein? Kurz nach 1400 eroberte Venedig Istrien, das Friaul, Vicenza, Verona und Padua sowie große Teile der Lombardei. Venedig bezog aus den neuen Besitzungen das Holz für seine Flotte, das Getreide und Gemüse für seine Küchen und Stoffe und Seiden für seine Feste. Der Adel, der mit Hilfe von Strohmännern bereits früher viel Grundbesitz erworben hatte, genoss in Prunkvillen (von denen heute etliche der Allgemeinheit zur Besichtigung offen stehen) das ausschweifende Landleben. Und die ansässigen, ärmlichen Bauern hatten halbwegs ihre Ruhe und dankten es ihren Herren mit Loyalität.
Festlandbrücken
1840 genehmigte der Habsburgerkaiser Ferdinand I. den Bau einer Eisenbahnstrecke von Mailand nach Venedig, an deren Ostende eine Schienenbrücke das Festland mit dem centro storico verbinden sollte. 1846, als die über 3 km lange Brücke mit ihren 222 Bögen feierlich eröffnet wurde, war Venedigs Dasein als Insel in der Lagune und in der Zeit beendet, war der Anschluss an die Moderne vollzogen. Ungeahnte Touristenströme begannen über Brücke und Bahnhof und durch die neu angelegte Fußgängertransversale Strada Nuova in die Stadt zu fließen, Handel und Produktion erlebten einen Boom. 1884 überwanden die Venezianer dann ihre tief verwurzelte Angst vor einer Abhängigkeit vom Festland auch in anderer Hinsicht: Sie bauten ein Aquädukt, das bis zum heutigen Tag alljährlich 64 Millionen m³ Trinkwasser aus den Alpen in die Lagunenstadt leitet. Und zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg wurde schließlich parallel zum Bahndamm die Straßenbrücke Ponte della Libertà gebaut.
© Concesse dal Servizio di Videocomunicazione del Comune di Venezia
In den letzten Jahrzehnten hat sich das Blatt allerdings gewendet. Formal ist die ehemalige Serenissima zwar nach wie vor Hauptstadt über die Region Venetien, aber der Puls des Veneto schlägt längst in den Boomstädten des Festlandes. Deren Wirtschaft - ihre Flaggschiffe heißen Benetton (in Treviso), Stefanel (Ponte di Piave) oder Eni (Marghera) - setzt im Im- und Export an die 100 Milliarden Euro um. Doch alle Pläne, diesen Ballungsraum mit seinen rund 2,5 Millionen Einwohners und mehr als einer Million Arbeitnehmern zu einer dynamischen Metropolis zu vereinen, bei Chioggia einen für ganz Mitteleuropa bedeutsamen Großhafen zu schaffen und endlich das Straßen- und Schienennetz zu modernisieren, wurden bisher zerredet.
Stadtplan Venedig
Stadtplan Venedig starten
Merian Reiseführer Venedig
VENEDIG
Reiseführer
Wolftraud de Concini führt Sie zu den Höhe- punkten der Traumstadt im Meer: Piazza San Marco, Canale Grande, Ponte di Rialto und Murano.
Nützliches in Venedig
Von Ärzten über Banken bis hin zu Telefonzellen. Die wichtigsten Infos für Ihre Städtereisen, übersichtlich zusammengefasst, finden Sie hier >>
Venedig im Ohr
Stimmen und Klänge Venedig
Lauschen Sie den Gesängen der Gondolieri auf einer Hör-Reise in die Lagunenstadt.
mehr  >>