Ausflüge
Mit dem Rad vom Lido bis nach Chioggia
Dieser Ausflug lässt Sie ausführlich Meeresluft schnuppern, fördert die Fitness und macht zudem mit den entlegeneren Gebieten des Lido di Venezia samt den Orten Malamocco und Alberoni sowie mit dem benachbarten Lido di Pellestrina bekannt. Fahrräder können Sie am Ausgangspunkt mieten. Gesamtstrecke dieser ohne jegliche Steigungen verlaufenden Tagestour: hin und zurück gut 50 km.
Mit dem Rad unterwegs bei Caorle
Mario Fletzer / www.provincia.venezia.it
Wer sein eigenes Fahrrad dabeihat, kann mit einem speziellen Ticket auf der Autofähre direkt von den Parkhäusern auf der Insel Tronchetto zum Lido fahren (Abfahrt von frühmorgens bis spätnachts alle 15 Minuten). Für die meisten Venedigbesucher ist es jedoch wohl einfacher, per "vaporetto" auf den Lido überzusetzen. Gleich neben dem Anleger, am Beginn des Viale Santa Maria Elisabetta (Nr. 21 b), verleiht Lido on bike täglich zwischen 8.30 und 19.30 Uhr Fahrräder (Tel. 04 15 26 80 19, www.lidoonbike.it, 9 Euro/Tag, Ausweis mitnehmen!).
An der meerseitigen Straße strampeln Sie am imposanten, durch Viscontis "Tod-in-Venedig"-Verfilmung weltberühmten Grand Hotel des Bains, kurz danach am Palazzo del Cinema, in dem alljährlich Anfang September Venedigs Filmfestival logiert, und schließlich am merkwürdig maurisch anmutenden Hotel Excelsior vorbei.
Wenig später, an einer sanften Rechtskurve, müssen Sie sich entscheiden: Entweder folgen Sie der Hauptstraße durch die Villensiedlung nach Malamocco. Oder Sie tragen das Rad linker Hand ein paar Stufen hoch und fahren nun auf der Krone der so genannten murazzi weiter, jener im 19. Jahrhundert aufgeschichteten Steinwälle, die Lido und Lagune gegen die offene Adria hin abschirmen. Kleine Hindernisse auf dieser meerseitigen, Leib und Seele erfrischenden Promenade, an der man zur warmen Jahreszeit nicht zufällig zahlreiche Liebespaare antrifft, bilden Sandflächen, durch die man sein Gefährt ab und an zu schieben hat. Malamocco entpuppt sich als malerischer Fischerort von fast kitschiger Beschaulichkeit. Deutlich moderner, weil in erster Linie dem Freizeitvergnügen geweiht, ist das angrenzende Alberoni mit seinem auf dem Gelände der ehemaligen Festung angelegten Golfplatz.
Keine 500 Meter dahinter heißt es los gehts- und jene Fähre besteigen, die im 30- bis 60-Minuten-Takt in einem knappen Viertelstündchen zum Lido di Pellestrina übersetzt. Dieser 11 km lange, schmale Sandstreifen ist keine touristische Vorzeigeinsel. Im 18. Jahrhundert zählte sie noch 10 000 Einwohner, heute fristen hier kaum noch 500 Menschen, hauptsächlich Fischer und Muschelzüchter, ein eher karges Dasein. San Pietro in Volta, Porto Secco und Pellestrina heißen ihre drei Dörfer, die Sie durchfahren. Auch hier stehen zwei Routen zur Auswahl: die meerseitige, relativ verkehrsreiche Straße oder das lagunenseitige Sträßchen, auf dem man die Orte besser kennen lernt und außerdem immer wieder die kuriosen Stelzenhütten im Wasser stehen sieht, in denen die Anrainer ihre Fischereigeräte lagern.
Ruine eines ehemaligen Turms in Chioggia
© Mario Fletzer / www.provincia.venezia.it
Wer will, kann ganz im Südwesten von Ca' Roman aus, einem kleinen Naturschutzgebiet, ein weiteres Mal eine Fähre besteigen und anschließend bis Chioggia strampeln. Doch genau genommen gehört dieses bunte, quicklebendige Fischerstädtchen nicht mehr zu Venedig, orientiert sich mehr zum Festland und zum Meer hin als in die Lagune. Außerdem ist der Rückweg von Pellestrina weit genug, zumal entlang der Route mehrere Lokale zum kräftigenden Halt locken. Zwei Empfehlungen: Trattoria Da Celeste in Pellestrina, Sestier Vanelli, 625, Tel. 041 96 73 55, Mittwoch und von November-Februar geschlossen, €€; Ristorante Le Garzette in Malamocco, Lungomare Alberoni, 32, Tel. 041 73 10 78, geöffnet nur von März-November jeweils Freitag-Abend sowie Samstag und Sonntag, €€, auch mit schöner Übernachtungsmöglichkeit.
Auf die unbekannten Laguneninseln
Mit der Vaporetto-Linie 13 vom Anleger Fondamente Nove aus nach Le Vignole, Sant'Erasmo und, an Wochenenden, auch zum Lazzaretto Nuovo und per Wassertaxi oder im Privatboot des Klosters zur Insel San Franceso del Deserto. Für jede der Touren sollten Sie ungefähr zwei bis drei Stunden veranschlagen, wenn Sie mehrere miteinander verbinden, einen ganzen Tag.
Die Laguneninseln Venedigs aus der Luft
© Fabian Voswinkel / pixelio.de
Murano, Burano und Torcello sind berühmte Ausflugsziele, die auf dem Standardprogramm der meisten mehrtägigen Venedigaufenthalte stehen. Kaum bekannt, aber ebenfalls reizvoll sind etliche der kleineren Inseln in der nördlichen Lagune. Sie zeigen Venedig von seiner sehr ländlichen Seite und bieten die Gelegenheit, sich im Grünen die Füße zu vertreten, die Eigenheiten der örtlichen Natur kennen zu lernen und sogar zwei, drei steinerne Sehenswürdigkeiten zu begutachten.
Beginnen Sie am besten mit der Gemüseinsel Le Vignole: Von der Altstadt ist sie in nicht einmal 15-minütiger Bootsfahrt erreichbar. Zudem besitzt sie ein von Einheimischen viel gepriesenes Ausflugslokal. Spazieren Sie von der Schiffsstation auf dem Hauptpfad bis zum Brückchen, queren dort den Hauptkanal und folgen rechter Hand dem Weg durch die Gemüsefelder bis zur Trattoria alle Vignole (Montag und Oktober bis April geschlossen, Tel. 04 15 28 97 07, €). Wetten, dass Ihnen an den einfachen Holztischen unter freiem Himmel mit Blick auf Venedigs Silhouette die Fisch- und Fleischspezialitäten vom Grill ganz besonders gut munden?
Von ähnlich tiefer Friedfertigkeit ist die benachbarte Insel Sant'Erasmo - der zweite, freilich weit größere Vorgarten Venedigs. Sie sollte man beim Anleger Capannone betreten. Fünf Minuten Richtung Süden gestapft, und Sie stehen vor der Torre Massimiliano (Samstag/Sonntag von 10-20 Uhr geöffnet, im Winter bis 17 Uhr), einem wehrhaften Ziegelturm aus der Zeit der österreichischen Besatzung, in dem neuerdings interessante Ausstellungen zeitgenössischer Kunst gezeigt werden. Von hier spazieren Sie den Uferweg entlang dem am Horizont emporragenden Campanile entgegen. Nach etwa einem halben Stündchen stehen Sie vor dem Ristorante Ca' Vignotto (täglich mittags geöffnet, Donnerstag-Samstag auch abends, Tel. 04 15 28 53 29, €), einem schlichten Lokal mit nettem Garten, dessen Padrone (Wirt) seinen oft nicht gerade übermäßig zahlreichen Gästen stolz die Produkte der Insel - von den violetten Artischocken bis Wein - und vor allem Fisch serviert.
Gegenüber der erwähnten Stazione Capannone liegt das Inselchen Lazzaretto Nuovo, das von den Venezianern und ihren Besatzern dank seiner strategisch günstigen Lage seit alters als Militärstützpunkt missbraucht wurde und vom 15. bis zum 18. Jahrhundert der Serenissima zum Schutz vor Seuchen als Quarantänestation diente. Seit einigen Jahren kümmern sich Archäologen und Ökologen verstärkt um das lange Zeit verwahrloste und in Vergessenheit geratene Eiland.
Im Rahmen der Aktion "Wiedergeburt einer Insel" veranstaltet ein Verein aus freiwilligen Helfern von Anfang Mai bis Ende Oktober jeden Samstag und Sonntag naturkundliche Rundgänge (Tel. 0412 44 40 11). Deren Teilnehmer lernen die charakteristische Fauna und Flora der Sandbänke und Sümpfe kennen. Ebenfalls auf Lazzaretto Nuovo bietet das ganze Jahr über auch der Archeoclub d'Italia (Tel. 041 71 05 15, www.archeove.provincia.venezia.it) interessante Exkursionen zu Festungsbauten und archäologischen Stätten. Dabei können Gäste auch an Grabungen teilnehmen.
Sehr empfehlenswert ist auch eine Visite auf der Klosterinsel San Francesco del Deserto. Der Legende nach sollen einst zwitschernde Vögel den heiligen Franziskus hier auf seinem Rückweg aus dem Orient empfangen und zum Bau eines Klosters angeregt haben. Heute genießen hier eine Hand voll Mönche inmitten der stillen Wasserflächen und Sumpfwiesen ihr bukolisches Dasein. In den beiden Kreuzgängen der Anlage und dem mit Zypressen, Pinien und Palmen bestandenen, von vielerlei Haustieren bevölkerten Garten lässt es sich wunderschön lustwandeln. Um das täglich von 9 bis 11 und 15 bis 17 Uhr zugängliche Idyll zu erreichen, fährt man im "vaporetto" (Linie 12) bis Burano. Von dort muss man dann im Wassertaxi auf eigene Faust übersetzen. Auskunft: Tel. 04 15 28 68 63.
Naviglo di Brenta (Brentakanal)
© Mario Fletzer / www.provincia.venezia.it
Aufs Festland: Padua und die Brentavillen
Nach Padua fahren Sie am besten mit einem der unzähligen Lokalzüge von Venedigs Bahnhof Santa Lucia. Die Villen im Umland erkundet man am besten im eigenen oder im Mietwagen. Eine beschauliche Alternative, um einige der Prachtbauten zu sehen, bieten die diversen Ausflugsboote, die auf dem Brentakanal (Naviglio di Brenta,) verkehren. Für jede der drei Varianten dieser Tour sollten Sie einen langen Tag einkalkulieren.
Die knapp 40 km westlich von Venedig auf dem Festland gelegene Provinzhauptstadt Padua (ital. Padova) birgt eine Reihe einzigartiger Kunstdenkmäler und lohnt mit ihrer von Attraktionen übersäten Umgebung eigentlich selbst einen längeren Aufenthalt (www.turismopadova.it, empfehlenswert: die Padova Card). Einen Tag jedoch sollte man dem so geschichtsträchtigen Ort auf alle Fälle widmen. Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht Il Santo (täglich von 6.30-19.30 Uhr geöffnet), jene mit ihren acht Kuppeln morgenländisch wirkende, über und über mit kostbaren Kunstwerken ausstaffierte Basilika aus dem 13. Jahrhundert, in der die Reliquien des heiligen Antonius ruhen.
Weitere Pflichtstationen auf dem Rundgang durch die teilweise wohltuend verkehrsbefreite Altstadt sind unter anderem der Palazzo della Ragione (Dienstag-Sonntag 9-19 Uhr) mit seinem grandiosen, nach langer Restaurierung kürzlich wiedereröffneten Ratssaal; zu seinen Füßen die vom regen Lebensmittel- bzw. Flohmarkt belebten Plätze, die Piazza delle Erbe und Piazza della Frutta; weiter die von Giotto freskierte, ebenfalls jüngst auf Hochglanz renovierte Scrovegni-Kapelle (Besichtigung nur nach Voranmeldung unter Tel. 04 92 01 00 20 oder www.cappelladegliscrovegni.it, im Sommer Montag-Freitag von 9-19 Uhr geöffnet, Samstag von 9-18 Uhr) sowie die zweitälteste Universität Italiens, genannt Palazzo del Bo', mit ihrem berühmten anatomischen Lehrsaal (Führungen von März-November Montag, Mittwoch und Freitag um 15, 16 und 17 Uhr, Dienstag, Donnerstag und Samstag um 9, 10 und 11 Uhr). Ein stilvoller Rastplatz ist das zentral gelegene, im eleganten Neoklassizismus gestaltete Caffè Pedrocchi (Montags geschlossen).
Wer mit dem Auto unterwegs ist, sollte, so noch etwas Zeit bleibt, auf dem Rückweg einem oder zwei der unzähligen Landpaläste und -villen einen Besuch abstatten, die sich Venedigs Adlige einst auf dem Festland bauen ließen. Empfehlenswert sind zum Beispiel die Villa Valmarana in Mira, die Villa Gradenigo in Oriago, die Villa Pisani alias Nazionale, ein Barockschloss von gigantischen Ausmaßen in Stra, oder die Villa Foscari, auch bekannt als Villa Malcontenta, eine der schönsten Schöpfungen des genialen Andrea Palladio. (Auskünfte zu allen Öffnungszeiten: Tel. 04 15 29 87 11).
Apropos Brentakanal: Eine überaus reizvolle Alternative zu dieser per Bahn oder PKW unternommenen Tagestour bildet eine Schiffspartie auf diesem uralten, über weite Strecken ungemein idyllischen Wasserweg. Von Anfang März bis Ende Oktober verkehren auf ihm zwischen Venedig und Padua in beide Richtungen Ausflugsboote, die unterwegs an mehreren Villen zwecks ausführlicher Besichtigung Halt machen. Die Hin- bzw. Rückfahrt zum und vom Ausgangspunkt erfolgt in Bussen. Auskunft und Buchung bei I Batelli del Brenta, Tel. 04 98 76 02 33, oder Il Burchiello, Tel. 04 98 20 69 10.