VIENNA ART WEEK 2011
"Reflecting Reality" beim Kunstfestival von 14.-21. November
Plakat zur VIENNA ART WEEK 2011 / Design: Perndl+Co, © Foto: Jose Manuel Gelpi
Die VIENNA ART WEEK findet in diesem Jahr bereits zum siebten mal statt. Beim größten Kunstfestival Österreichs treffen internationale Museumsdirektoren, Kuratoren, Sammler und Kritiker mit Persönlichkeiten aus der Wiener Kunstszene zum großen Kunstdiskurs zusammen. Dieses Jahr steht die VIENNA ART WEEK unter dem Themenkomplex Reflecting Reality.
Auch 2011 überraschen Wiener Kunstinstitutionen, Museen und Galerien sowie zahlreiche Programmpartner des Art Cluster Vienna aus der Off-Space Szene mit einem spannenden Programm.
Das Spektrum reicht von Spezialführungen durch Sonderausstellungen über das Gallery Weekend, Podiumsdiskussionen, Vorträge, ausgedehnte Künstlergespräche, Ausstellungseröffnungen, Installationen, Interventionen und Performances bis hin zu ausgewählten Veranstaltungen in Privatunternehmen, die zeitgenössische Kunst fördern.
Ausstellung der VIENNA ART WEEK 2011 "Reflecting Reality", © Foto: Kristy Leibowitz
Dieses Jahr öffnen zum ersten Mal auch vier Wiener Designbüros ihre Pforten für die VIENNA ART WEEK 2011. Bereits zum zweiten Mal sind die Bundesstudios des BMUKK mit dabei und die mittlerweile legendären Studio Visits und viele andere Highlights laden eine Woche lang in einem inspirierten und kreativen Ambiente zur Vernetzung und zum Austausch ein.
Reflecting Reality
In den Beiträgen zu Reflecting Reality wendet sich der Blick hinter die Kulissen der psychologischen Dynamik von Kunstproduktion und Sammlerleidenschaft. Der Begriff der Psychoanalyse hat im Kunstbereich in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Konjunktur erfahren. Gegenüber der klassischen Psychoanalyse Sigmund Freuds und dessen Schriften zu Kunst und Kultur haben sich im Spannungsfeld aktueller, individueller, psychischer und gesellschaftlicher Fragestellungen in der Kunst neue ästhetische Praxen herausgebildet.
Eine der faszinierendsten Eigenschaften von Kunst ist die durch sie freigesetzte Psychodynamik: Kunst reflektiert nicht nur Realität, sondern liefert Material, um mit den Erfordernissen des modernen Lebens umzugehen. Individualität und soziale Beziehungen, Privatsphäre und öffentliches Leben, die Flüchtigkeit des Alltags und das Streben nach Stabilität, Nähe und Distanz sowie Leistung und Entspannung bilden Pole des psychischen Geschehens. Der derzeitige Umbruch politischer Systeme, das Entstehen von Parallelwelten, das Anwachsen psychopolitischer Argumentationsräume werden durch Kunst einer Reflexion unterzogen.
Studio Visit / Bildsujet Portrait Anthony Auerbach, © Foto: Udo Titz
REFLECTING REALITY – Die Wirklichkeitsmodelle der Kunst
Im Mittelpunkt der von Robert Punkenhofer, Künstlerischer Leiter, VIENNA ART WEEK, kuratierten Ausstellung Reflecting Reality – Die Wirklichkeitsmodelle der Kunst (15.11.–20.11.2011), stehen ortsbezogene Installationen, die sich an der Schnittstelle zwischen Institution und öffentlichem Raum befinden und verschiedene Modelle von Wirklichkeit ausbilden. Das Wahrnehmen, das Empfinden und das Hinterfragen von Realität als reflexive Erfahrung sind elementare Bestandteile und wichtige Impulsträger der Kunstproduktion. Nach neuen Forschungen der Neurowissenschaft bestehen auffällige Zusammenhänge zwischen der Gehirnfunktion und der Konstruktion von Wirklichkeitsmodellen. Nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch die Beurteilung von Wirklichkeit erfolgt nach Modellen.
Wir sehen und erleben die Wirklichkeit nicht so wie sie ist, sondern konstruieren sie nach Vorbildern. Wissenschaftliche und künstlerische Erkenntnisgewinnung befinden sich heute in regem Austausch. Die ästhetische und thematische Bandbreite der künstlerischen Zugänge zur Wirklichkeit reicht von medien- und genreübergreifenden Methoden über das Verwenden von außergewöhnlichen Materialien bis hin zum Einsetzen von psychischen Organisationsprinzipien. Zu sehen sind Installationen u.a. von Roger Hiorns, Iwajla Klinke, Manu Luksch, Joseph Kosuth, Edgar Honetschläger, Elisabeth von Samsonow. Die Eröffnung findet am Montag, 14. November 2011, um 17 Uhr im Sigmund Freud Museum, Berggasse 19, Wien 9, statt.
Performances
Seit den 1970er Jahren entwickeln Generationen von Künstlern und Künstlerinnen die autonome Kunstform Performance weiter. Auch 2011 sind Performancers Teil der VIENNA ART WEEK .
About friendship - social ladder, 2010, © Sissa Micheli
Ken Jacobs- Nervous Magic Lantern
Der New Yorker Experimentalfilmer und "Kino-Performer" Ken Jacobs zählt zu den Pionieren des New American Cinema der 1960er und 1970er Jahre. Geprägt von Hans Hoffman, bei dem er sein Malereistudium absolvierte, entstanden in den 1960er Jahren Filmklassiker wie Tom, Tom, The Piper's Son (1969). Diese auf einer abstrakt-expressionistischen Bildsprache basierenden Experimente führten Jacob in den 1970er Jahren zu seinem einzigartigen Nervous System, einer Serie von Liveperformances mit Filmprojektionen, die er bis heute weiterentwickelt. Mithilfe zweier modifizierter Projektoren, die denselben Film leicht zeitversetzt abspielen, verwandelt er Found-Footage-Material – meist alter Filme – in unaufhörlich flimmernde, pulsierende 3D-Bilder.
In den Grenzbereich der Abstraktion taucht der Experimentalfilmer mit Nervous Magic Lantern ein. Mit diesem 2000 entwickelten System kreiert er aus dem Spiel mit Licht und Schatten abstrakte 3D-Figuren und versucht sich auf diese Weise dem Wesen des Films anzunähern und neue Sinneseindrücke zu provozieren. Im Rahmen der VIENNA ART WEEK 2011 präsentiert Ken Jacobs gemeinsam mit seiner Frau Flo am Montag, den 14. November 2011 um 18 Uhr in der Generali Foundation Wien, Wiedner Hauptstraße 15, Wien 4, eine seiner legendären Nervous Magic Lantern Performances live. foundation.generali.at
Studio Visit, © Anthony Auerbach
Gelegenheit zum persönlichen Kennenlernen und hautnahen Miterleben der künstlerischen Tätigkeiten von Künstlern, Architekten und Designer bieten im diesen Jahr wieder die Studio Visits. Spezialführungen durch Sonderausstellungen mit Künstlern und exklusive geführte Rundgänge von Museumsdirektoren geben die Möglichkeit einen vertiefen Blick vor und hinter die Kulissen des künstlerischen Schaffens zu werfen.
Text- und Bildquelle: Pressematerial zur Vienna Art Week