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Max Frisch - Ein Zürcher Urgestein

"Warum reisen wir? Auch dies, damit wir Menschen begegnen, die nicht meinen, dass sie uns kennen ein für allemal; damit wir noch einmal erfahren, was uns in diesem Leben möglich sei – Es ist ohnehin schon wenig genug."Max Frisch, Tagebuch 1946-1949; Frankfurt: Suhrkamp 1950

Frisch am Schreibtisch
Frisch am Schreibtisch
© Foto Andrej Reiser / Suhrkamp Verlag
Dies dürfte vielleicht auch ein Grund sein, warum Sie so gerne reisen. Doch was macht das Werk dieses Zürcher Max Frisch aus? Er war nicht nur Schriftsteller, sondern auch Architekt. Das Schreiben war jedoch seine Leidenschaft. Noch heute kann man sich im Max-Frisch-Archiv in Zürich in seine Werke vertiefen.

Leben

Am 15. Mai 1911 wurde Max Frisch in Zürich geboren und starb dort am 4. April 1991. Als Schweizer Architekt und Schriftsteller gehörte er zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern der Nachkriegszeit. Sein Vater, Franz Bruno Frisch war ebenfalls Architekt und seine Mutter Karolina Bettina Frisch war Hausfrau und Mutter. Nach dreijährigem Germanistik-Studium an der Universität Zürich musste er es 1933 nach dem Tod seines Vaters aus finanziellen Gründen abbrechen. Daraufhin arbeitete er als Korrespondent für die "Neue Zürcher Zeitung" und andere Zeitungen.
Als Journalist unternahm er von 1933 bis 1936 zahlreiche Reisen durch Ost- und Südosteuropa. Von 1936 bis 1940 nahm er erneut ein Studium auf, dieses Mal jedoch an der ETH Zürich und statt Germanistik studierte er Architektur. Sein einziges größeres Werk in der Schweiz war das Freibad Letzigraben. Nachdem er mit Freibad, das heute unter Denkmalschutz steht, den 1. Preis bei einem Architekturwettbewerb gewann, eröffnete er sein eigenes Architekturbüro.
 
Frisch in den 50er Jahren
Frisch in den 50er Jahren
©Foto Suhrkamp Verlag
1942 heiratete er Gertrud Constanze von Meyenburg mit der er zwei Töchter und einen Sohn zeugte. 1954 trennte er sich, nach einem USA-Aufenthalt, bei dem er Bertholt Brecht und Friedrich Dürrenmatt kennen lernte, von seiner Familie. Ein Jahr später schloss er sein Büro und begann als freier Schriftsteller zu arbeiten.
Von 1958 bis 1965 lebte er mit Ingeborg Bachmann in Rom. Darauf heiratete der 51 jährige Frisch die 23 jährige Studentin Marianne Oellers, mit der er bis 1979 zusammenlebte. Daraufhin lernte er die New Yorkerin Alice Locke-Carey kennen, mit der er bis 1985 zusammenlebte. Wie man sieht, verfolgte Frisch kein eintöniges und monogames Leben.
Frisch verstarb an einem Krebsleiden, am 9. April 1991 fand seine Beerdigung in St. Peter statt. Seine Freunde und seine damalige Lebensgefährtin Karin Pilliod-Hatzky hielten Abschiedsreden, da kein Pfarrer zugegen war. Frisch war ein Agnostiker und verzichtete daher auf jedes Glaubensbekenntnis.

Literarisches Werk

In seinen Werken befasste sich Max Frisch mit essentiellen Fragen, zum Beispiel wie der Mensch Gewissheit über seine eigene Identität erlagen kann oder wie die Menschen das Gebot "Du sollst dir kein Bildnis machen" im täglichen Leben ausüben. Zu diesen Fragen dienen die Werke "Mein Name sei Gantenbein" sowie "Stiller" oder "Don Juan oder die Liebe zur Geometrie" und "Andorra" als Antwortmöglichkeiten. In Andorra geht es zum Beispiel darum, dass ein junger Mann wegen eines Identitätskonflikts getötet wird.
LESETIPP
Mein Name sei Gantenbein
Hörbuch-Version von "Mein Name sei Gantenbein"
Aber auch Frischs Heimat, die Schweiz wird in seinen Werken behandelt. Als vermeintlich vorbildlich demokratische und rechtsstaatliche Nation stellt er sie in "Wilhelm Tell für die Schule" in Frage. Im "Biedermann und die Brandstifter" widmet er sich der Gesellschaft. Die Hauptfigur Gottlieb Biedermann steht für den dummen Bürger, der sich aus Angst nicht gegen die Mächtigen wehrt, zu groß ist die Furcht vor möglichen Konsequenzen.
Der Brandstifter, der Biedermann in dem Werk bedroht, kann auch mit dem deutschen Nationalsozialismus verglichen werden, dessen Radikalität zwar jedem bekannt war, aber gegen den kaum jemand etwas unternommen hatte. "Scherz ist die drittbeste Tarnung. Die zweitbeste: Sentimentalität. Aber die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand." (Aus Biedermann und die Brandstifter)
LESETIPP
Andorra
 
Eines der bekanntesten Werke Frischs: "Andorra"

Auszeichnungen

Für seine Werke erhielt Max Frisch von 1935 bis 1989 24 Auszeichnungen. Zu diesen zählen untere anderem der "Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis" der Stadt Zürich (1938), der "Georg Büchner Preis" (1958), den "Schiller-Gedächtnispreis" (1965) oder den "Heinrich-Heine-Preis" der Stadt Düsseldorf (1989). Des weiteren wurden ihm auch Ehrendoktorwürden verliehen: 1980 des Bard College, 1982 der City University of New York, 1984 der Universität Birmingham und 1987 der Technischen Universität Berlin. Seit 1998 vergibt die Stadt Zürich in Gedenken an Max Frisch den "Max-Frisch-Preis".

"Max-Frisch-Archiv"

1979 wurde das Archiv von den damaligen Mitgliedern des Stiftungsrates Max Frisch, Siegfried Unseld, Suhrkamp Verlag, Peter Bichsel, Schriftsteller,Adolf Muschg, Schriftsteller und Universitätsprofessor und Peter von Matt, Professor für neuere deutsche Literatur an der Universität Zürich, gegründet. Frisch wollte mit dem Archiv seiner Nachwelt die Möglichkeit zu Nachforschungen geben und sein eigenes Werk möglichste lange erhalten.
 

Eine Auswahl an erschienen Werken

Don Juan oder die Liebe zur Geometrie.Eine Komödie in fünf Akten
Surkamp,Frankfurt am Main 1953
Stiller. Roman, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1954
Homo faber. Ein Bericht, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1957
Biedermann und die Brandstifter.Ein Lehrstück ohne Lehre.Mit einem Nachspiel, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1958
Andorra. Stück in zwölf Bildern, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1961
Mein Name sei Gantenbein. Roman, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1964
Der Mensch erscheint im Holozän. Eine Erzählung, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1979
Max Frisch/Friedrich Dürrenmatt. Briefwechsel. Hg. von Peter Rüedi, Diogenes, Zürich 1998
Max Frisch. Journalistische Arbeiten 1931–1939. Hg. von Carsten Niemann unter Mitwirkung von Walter Obschlager, Niedersächsisches Staatstheater, Hannover 2001
 
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