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Stadtspaziergänge

In nur 1 Stunde Zürichs Highlights erleben
In nur 1 Stunde Zürichs Highlights erleben
© Gerd Altmann / pixelio.de

Mekka der Psychologie

Zürich hat die größte Therapeutendichte der Welt: auf 363 000 Einwohner kommen mindestens 500 Seelenberater/innen. Illustre Figuren der Psychoszene haben hier gewirkt: Johann Kaspar Lavater, Carl Gustav Jung, Leopold Szondi und einige mehr. Eine gute Stunde dauert diese kleine Tour.
Das Tram (Linie 5 und 6) bringt Sie zur Zürichbergstrasse, die Sie bis zur Krähbühlstrasse 30 hinaufgehen. Hier lebte der Tiefen- und Schicksalspsychologe Leopold Szondi; hier wird auch heute noch in seinem Sinne geforscht. Wer sich umschaut, bemerkt schnell die vielen stattlichen Häuser in den wunderbaren Gärten - der Stadtteil Fluntern ist der nobelste der Stadt. Bezeichnenderweise haben sich viele Seelenberater hier angesiedelt.
Am Himmelsleiterli - mit Blick in die Ferne - wird eine Szene aus den 1930er-Jahren lebendig, als Ruth Cohn, eine spätere Mutter der humanistischen Psychologie, in Zürich eine Leidenszeit auf der Couch absolvierte.
Weiter unten, an der Plattenstrasse 39, wo heute die Rudolf-Steiner-Schule einquartiert ist, wohnte dereinst die junge Russin Sabina Spielrein. Zeitweilig war sie im Burghölzli, Zürichs Psychiatrischer Klinik mit unvergleichlichem Blick auf See und Alpen, untergebracht. Später mochte sie sich für längere Zeit nicht von Carl Gustav Jung und seiner Analytikercouch trennen.
Blick auf die Alpen
Blick auf die Alpen
© Hanspeter Bolliger/ pixelio.de
In der Rämistrasse 69, gleich unterhalb des ehrwürdigen Universitätsgebäudes (Tram Nr. 9: Kantonsschule), ist das Medizinhistorische Museum beheimatet. Der erste Raum, der Psychiatrie gewidmet, zeigt Instrumente zur "Behandlung" psychischer Störungen wie Fußketten, Handschellen und harte Bandagen "zur Verhinderung der psychischen Krankheit Onanie, die Leib und Seele zerstört und zum frühen Tode führen kann".
Der Spaziergang führt weiter talwärts und quer durch die Altstadt (Florhofgasse, Neumarkt, Rindermarkt, Marktgasse, Rathausbrücke), bis man die Kirche St. Peter auf der St.-Peterhofstatt, einer Oase der Ruhe, erreicht. Dort predigte vor rund zweihundert Jahren Johann Kaspar Lavater. Berühmt war er allerdings wegen seiner physiognomischen Forschungen, mit denen er den inneren Werten der Menschen nachspürte.
Diese Forschungslust scheint bis heute nicht ausgerottet, frönen ihr doch die eine oder der andere liebend gerne in einem der schönen Straßencafés an der Limmat oder im Niederdorf vorzugsweise bei einem Cappuccino oder einem Cüpli (Glas Champagner).
Ein Cappuccino mit Herz
Ein Cappuccino mit Herz
© matchka / pixelio.de

Frauen auf der Bahnhofstrasse

Zürichs Luxusmeile einmal anders gesehen: ein zweistündiger Spaziergang mit frauengeschichtlichem Hintergrund.
Der Hauptbahnhof ist nicht nur der geografische Ausgangspunkt für einen Spaziergang durch die Bahnhofstrasse, sondern war auch der Ankunftsort mancher berühmter Frauen. Nadeschda Krupskaia und Lenin kommen 1916 hier an, die Exilantinnen Else Lasker-Schüler, Erika Mann, Therese Giehse, Jo Mihaly tun es ihnen in den folgenden Jahren gleich. Und auch Pendler und Touristen steigen im Hauptbahnhof aus, biegen in der Bahnhofshalle rechts ab und gelangen auf Zürichs berühmteste Straße.
Interessanterweise birgt die Bahnhofstrasse allerlei Geschichten - dieses Mal über Frauen -, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind. Wer unter den prächtigen Linden seewärts flaniert, wird sich kaum vorstellen können, dass dies um 1830 die "mindere Stadt" war - eine von mittelalterlichen Häusern und Plätzen geprägte Kleinstadt mit stinkenden Abwassergräben, die die gesamten Abfälle und Fäkalien des Quartiers in die Limmat führten, wo flussaufwärts wiederum die Waschweiber ihrer Arbeit nachgingen.
Heute bestimmt ein anderes Frauenbild die Gegend: bestgekleidete Geschäftsfrauen, Gattinnen viel verdienender Bankiers, aber auch zahlreiche andere Frauen, die sich's leisten können, tun sich dort gütlich: traumhafter Antikschmuck des Juweliers Hofmann, Kleider bei Feldpausch, dessen moderne Fassade die gleichnamige Bauherrin durchgesetzt hat, Artikel für den stilvoll gehobenen Haushalt bei Rosenthal, Schuhe bei Bally. Im unteren Teil der Straße, wo sich neuerdings diverse Billigkleiderläden niedergelassen haben, werden heute auch Mädchen und selbstbewusste junge Frauen schnell fündig.
Bahnhofstraße
Bahnhofstraße
© www.bahnhofstrasse-zuerich.ch
Die Gegend lädt aber nicht nur zum Shopping ein, sondern schreibt auch Zürcher Frauengeschichte der selbstbewussten Art. Auf den Spuren weiblicher Anwesenheit im öffentlichen Raum könnte der Spaziergang hier kurz unterbrochen werden: Vor dem renovierten Bally links abbiegend erreicht man den Rennweg. Dort ist das Schuhgeschäft Dosenbach ansässig. Dieses wurde 1880 - die Bahnhofstrasse war noch längst nicht fertig gestellt und der Sprung ins soeben entstehende Geschäfts- und Verwaltungsviertel noch äußerst gewagt - von Franziska Dosenbach eröffnet und von ihrer Tochter Johanna geleitet. Nach dem frühen Tod ihres Mannes war sie gezwungen, allein für sich und ihre 13 Kinder zu sorgen. Sie entwickelte sich zu einer äußerst erfolgreichen und selbstbewussten Geschäftsfrau, die bis ins hohe Alter die Fäden des weit verzweigten Geschäfts fest in ihren Händen hielt.
Auf dem Hügel oberhalb des Rennwegs liegt der Lindenhof, auf dem Zürichs Frauen 1291 als Männer verkleidet das österreichische Heer in die Flucht schlugen. Zurück auf der Bahnhofstrasse, ist es heute kaum mehr vorstellbar, dass an diesem properen Ort Frauen und Männer einst ihre Notdurft im Freien verrichteten. 1850 wurde solches Handeln unter Strafe gestellt. Aus "ästhetischen und aus sitten- und gesundheitspolizeilichen Gründen" wurde 1893 auf dem heutigen Bürkliplatz die erste öffentliche Bedürfnisanstalt für Frauen errichtet. Für Frauen des Bürgertums, die sich damals und heute in der Confiserie Sprüngli am Paradeplatz treffen, war diese Einrichtung allerdings nicht gedacht, obwohl sie die Einzigen gewesen wären, die sich die hohe Benutzungsgebühr hätten leisten können. Es mussten noch einige Jahre vergehen, bis sich der Stadtrat dazu entschloss, in den öffentlichen Bedürfnisanstalten je eine WC-Schüssel unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Heute ist dieser selbstverständliche Service zum Ärger vieler Frauen allerdings vielerorts wieder kostenpflichtig.
Tramschienen in der Bahnhofstraße
Tramschienen in der Bahnhofstraße
© Kassandra/ pixelio.de
Dies und vieles mehr an Frauengeschichte(n) hat die Stadt zu bieten. Der Verein Frauenstadtrundgang führt regelmäßig frauengeschichtliche Stadtrundgänge durch und ruft damit die verdrängte Geschichte des weiblichen Geschlechts wieder ins Gedächtnis. www.femmestour.ch, Vorverkauf: Buchhandlung Klio, Zähringerstr. 41, Tel. 044 251 42 12, Preis 20 CHF.

Zürich auf Schienen

Die gut ausgebaute Straßenbahn, in Zürich "das Tram" genannt, eignet sich vorzüglich für kurze, aber auch auf bis zu Tageslänge ausgedehnte Spazierfahrten, auf denen man die verschiedenen Facetten der kleinen Großstadt an der Limmat geruhsam und bequem an sich vorbeiziehen lassen kann.
Auf den 12 verschiedenen Tram- und den unzähligen Buslinien fährt in Zürich während 19 Stunden im Tag durchschnittlich alle 7,5 Minuten ein Fahrzeug. Zudem ist es den Zürcher Verkehrsbetrieben - VBZ oder auf gut Werberisch "züri-linie" genannt - gelungen, mit den Stadtbehörden ein ans Geniale grenzendes Verkehrskonzept erarbeitet zu haben, das nicht selten Exkursionsziel von Verkehrsdelegationen anderer Städte ist: Tram und Bus fahren, wo immer möglich, in eigenen Spuren oder haben vor allem an mit Lichtsignalen geregelten Kreuzungen ohne jegliche Diskussion Vorfahrt vor dem Privatverkehr.
Kronenhalle historisch
Kronenhalle historisch
© www.kronenhalle.com
Gute Voraussetzungen also, um sich, ausgerüstet mit einer Tageskarte zu 7.20 CHF, bis zu 24 Stunden chauffieren zu lassen. Sei es z. B. mit der Linie 5 vom Bahnhof Enge entlang den Quaianlagen, vorbei am Weissen und Roten Schloss, dem Kongresshaus über die Quaibrücke, wo bei entsprechendem Wetter der herrliche Blick auf die nahen Alpen zu genießen ist. Nach dem Bellevue-Platz geht es vorbei an der berühmten Kronenhalle, dann zwischen Kunsthaus und Schauspielhaus zur Universität und weiter steil den "Züriberg" hinauf bis zum berühmten Zürcher Zoo.
Oder aber Sie nehmen die Linie 4, die vom Hauptbahnhof via den Limmatquai einen guten Blick ermöglicht auf die diversen historischen Kirchen und Zunfthäuser beiderseits der Limmat: Gegen den Fluss fahrend, sind rechter Hand große Verwaltungsgebäude auszumachen, nachher folgen kleine Häuser entlang der Schipfe und unterhalb des früher befestigten Lindenhofes. Auf diesen folgen das Fraumünster mit seinen berühmten Chagall-Fenstern, das Stadthaus, wo die Stadtregierung tagt und beispielsweise das Zivilstandsamt wirkt, und schließlich das wunderbare, im Neurokokostil gehaltene Metropol-Gebäude. Auf der linken Seite fährt der Vierer zwischen Grossmünster und dem Rathaus - Tagungsort von Stadt- und Kantonsparlament - hindurch, vorbei an Wasserkirche, Hechtplatz und Odéon zum Bellevue-Platz und weiter durch das schöne Wohnquartier Seefeld zur Endstation Tiefenbrunnen, die sich wiederum als guter Ausgangspunkt eignet für einen gut halbstündigen Spaziergang am See entlang via Zürichhorn und auf der Seepromenade zurück zum Zentrum.
3-D-Open-Air des Kinos Xenix
3-D-Open-Air des Kinos Xenix
© www.xenix.ch
In die andere Richtung fährt die Linie 4 durch das so genannte Industriequartier oder den "Kreis 5", vorbei am Museum für Gestaltung, am Party-Palast X-tra und dem Löwenbräu-Areal mit Kunsthalle zum eigentlichen Industriegelände rund um den Escher-Wyss-Platz, wo Kinos, Theaterwerk- und andere Kulturstätten wie Pilze aus dem Boden schießen.

Umweg zum Zoo

Der mit Verpflegungsmöglichkeiten gespickte und aussichtsreiche Spaziergang für einen Nach- oder Vormittag kann gut mit einem Besuch im Zoo abgeschlossen werden.
Die (Stand-)Seilbahn Rigiblick bringt Sie vom Rigiplatz den steilen Zürichberg hinauf zur Endstation - vorbei an Villen und Gärten, mit Einblicken in Küchen und Stuben. Oben angekommen, ist vielleicht schon Kaffee und Kuchen angesagt, was auf der großzügigen Terrasse des Restaurants Rigiblick - 100 m links der Bergstation - mit Blick über die ganze Stadt vorzüglich mundet. Als Verdauungsspaziergang gestaltet sich in der Folge die kleine Wanderung, für die Sie erst der Susenbergstrasse, dann links dem Spyristeig folgen, um dann den Waldrand entlangzupilgern, hoch über Zürich und mit entsprechender Aussicht ins industrialisierte Limmattal, gen Westen über diverse Hügelketten und bei klarem Wetter auf die verschneiten Berner und Zentralschweizer Alpen.
Affenbaby im Zürcher Zoo
Affenbaby im Zürcher Zoo
© www.zoo.ch
Nach ca. 30 Minuten taucht rechts das Hotel Zürichberg auf, dessen Terrasse und Küche um das leibliche Wohl besorgt sind. Dank seines spiralförmigen Neubaus bietet das Hotel auch etwas für Architekturinteressierte. Nach weiteren 10 Minuten erreichen Sie den Zoo, der auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Kurz vorher trifft der Weg auf die Endstation der Tramlinien 6 und 5, die Sie schnell wieder in die Stadt zurückbringen.
 
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